MESSELISTE · TEILS ANGESPIELT · KEINE WERTUNG
Das ist keine Rangliste und keine Sammlung von Rezensionen, sondern meine persönliche Liste für die SPIEL Essen 2026. Eternal Decks und Entropy habe ich angefangen, The Mix aus einer Verlagspräsentation gesehen, die meisten anderen Titel kenne ich bisher nur aus meiner Recherche. Deshalb gibt es hier keine Wertungen.
Ein Videospiel wird zum Brettspiel. HABA lässt uns Cocktails mixen. Und irgendwo dazwischen produzieren wir Brettspiele, die vermutlich längst im eigenen Regal stehen. Die SPIEL Essen 2026 hat wieder genug Neuheiten im Gepäck, um jede vernünftige Messeplanung zuverlässig zu ruinieren. Deshalb brauche ich eine Liste. Nicht unbedingt eine kurze, aber immerhin eine.
Die 16 Spiele auf meiner SPIEL-2026-Messeliste auf einen Blick:
- Kingdom Come: Deliverance: das Computerspiel als kompetitives Open-World-Abenteuer, rund 90 Minuten pro Person
- Eternal Decks: kooperatives Kartenpuzzle, bei dem Nachschub Flüche mitbringt
- Mischwald: Smoky Mountains: eigenständiges Spiel mit Fokus auf Gewässer
- -60°: Forschungsnetzwerk in der Antarktis von Alexander Pfister und Peter Prinz
- The Mix: Engine Builder rund um eine Cocktailbar, ausgerechnet von HABA
- Queen Alice: Schachbewegungen als Aktionsauswahl
- Drillers: Risiko unter Tage zwischen Gier und sicherer Rückkehr
- Night at the ZOO: ausgebrochene Tiere in rund 30 Minuten zurück ins Gehege
- Gaudí: Mosaik-Spiel, bei dem nur die zwei schwächsten Bereiche zählen
- The Game Makers: Fabriken, die mehr als 300 echte Brettspiele produzieren
- Kalypso: schwimmende Siedlung aus Treibgut, solo, kooperativ oder kompetitiv
- Avalon: The Riven Veil: asymmetrische Fraktionen auf einer nebelverhangenen Insel
- Prag im Verborgenen: Worker Placement, bei dem neue Aktionsfelder erst während der Partie entstehen
- Timespan: Zivilisation von der Steinzeit bis zur Raumfahrt in rund 90 Minuten
- Greenwood: Begleiterkarten, die auch die Konkurrenz nutzen kann
- Entropy: Sonnensystem-Rondell mit Wettlauf um das Spielende
Mehr zur Messe: Alles Wichtige zur SPIEL Essen 2026 findest du in unserem Messe-Guide mit Terminen, Neuheiten und Tipps.
Diese 16 Spiele möchte ich mir auf der SPIEL 26 genauer ansehen und möglichst auch anspielen. Das ist meine ganz persönliche Auswahl quer durch unterschiedliche Kategorien, vom halbstündigen Zoobesuch bis zum mittelalterlichen Abenteuer mit erheblichem Verpflegungsbedarf.
Wichtig ist mir die Unterscheidung zwischen Vorfreude und Empfehlung: Ein Platz auf meiner Messeliste ist noch kein Gütesiegel. Eternal Decks und Entropy habe ich bereits angefangen, allerdings nicht beendet. The Mix kenne ich aus einer Verlagspräsentation, vieles andere bislang vor allem aus meiner Recherche. Mich interessieren deshalb nicht nur die schönen Versprechen, sondern besonders die offenen Fragen dahinter.
Spielzeiten, Sprachfassungen und Verfügbarkeit entsprechen meinem bisherigen Informationsstand zur Messevorschau. Gerade bei angekündigten deutschen Ausgaben kann sich bis zur SPIEL noch etwas bewegen.
1. Kingdom Come: Deliverance: Wie offen wird das Mittelalter?
Für 1 bis 4 Personen, angekündigt mit etwa 90 Minuten pro Person. Kingdom Come: Deliverance bringt die mittelalterliche Welt des Computerspiels als kompetitives Open-World-Abenteuer auf den Tisch. Bei vier Personen reden wir damit rechnerisch über sechs Stunden. Da würde ich neben Getränken vorsichtshalber schon einmal das Frühstück organisieren.
Über mehrere Spieltage entwickeln wir unseren Charakter weiter, sammeln Ausrüstung, verbessern Fähigkeiten und knüpfen Beziehungen. Kämpfe, Diebstahl, Jagd und soziale Aktionen laufen über Karten und Fertigkeitsproben. Dazu kommen Handlungsstränge in den Städten und unterschiedliche Nebenaufgaben.
Das klingt nach vielen Möglichkeiten, aber genau dort beginnt meine Neugier: Kann ich tatsächlich meinen eigenen Weg gehen? Eine offene Welt ist für mich mehr als eine große Karte mit zahlreichen Ablageflächen. Ich möchte Entscheidungen treffen, aus denen sich eine persönliche Geschichte ergibt, statt bloß unterschiedliche Aufgabenlisten abzuarbeiten.
Die große Herausforderung dürfte sein, diese Freiheit am Tisch handhabbar zu machen. Wenn ich überwiegend Karten nachschlage und Tabellen verwalte, fühlt sich das Mittelalter womöglich eher nach Buchhaltung mit Schwert an. Trotzdem steht Kingdom Come ziemlich weit oben auf meiner Liste. Die Aussicht auf ein eigenes mittelalterliches Abenteuer ist einfach zu reizvoll.
Advertisement: Kingdom Come: Deliverance vorbestellen: bei Spiele-Offensive
2. Eternal Decks: Hilfe bekommen und dafür Flüche kassieren
Eternal Decks ist ein kooperatives Kartenpuzzle für 1 bis 4 Personen mit eingeschränkter Kommunikation. Jede Person beginnt mit einem kleinen eigenen Kartenstapel. Gemeinsam spielen wir Karten in verschiedene Bereiche und erfüllen dort Vorgaben zu Zahlen, Farben oder Reihenfolgen.
Der entscheidende Kniff: Unsere Karten sind gleichzeitig Handlungsmöglichkeiten und gewissermaßen unsere Lebensversicherung. Wenn der eigene Vorrat ausgeht, wird es schwierig. Neue Karten bekommen wir aus den Stapeln der Ewigen. Nur ist deren Hilfsbereitschaft nicht ganz uneigennützig: Erwachte Ewige bringen Flüche ins Spiel und erschweren damit unsere gemeinsame Aufgabe.
Das ist ungefähr die Sorte Unterstützung, bei der jemand beim Umzug hilft und anschließend erklärt, dass er jetzt dauerhaft im Wohnzimmer wohnt. Kurzfristig praktisch, langfristig möglicherweise ein Problem.
Mir gefällt an dieser Grundidee, dass Nachschub nicht einfach nur Entspannung bedeutet. Wir müssen abwägen, welche zusätzliche Belastung wir für neue Möglichkeiten akzeptieren. Unterschiedliche Szenarien lassen sich im Schwierigkeitsgrad anpassen.
Unsere angefangene Partie hat mir bereits ziemlich gut gefallen, obwohl kooperative Spiele normalerweise nicht mein bevorzugtes Revier sind. Jetzt möchte ich erleben, ob die Spannung bis zum Ende trägt. Eine deutsche Ausgabe ist für dieses Jahr angekündigt; ob sie rechtzeitig zur SPIEL verfügbar sein wird, war zuletzt noch offen.
Mehr dazu: Alle Strohmann-Neuheiten zur SPIEL 2026 im Überblick.
Advertisement: Eternal Decks vorbestellen: bei Spiele-Offensive
3. Mischwald: Smoky Mountains: Vertraute Synergien mit nassen Füßen
Mischwald: Smoky Mountains ist ein eigenständiges Spiel für 2 bis 5 Personen mit etwa 60 Minuten Spielzeit. Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine Erweiterung. Mit dem ursprünglichen Mischwald oder dessen Erweiterungen lässt es sich nicht kombinieren.
Diesmal entsteht unser Ökosystem in den Great Smoky Mountains. Bäume, Pflanzen und Tiere sind wieder dabei, darunter Schwarzbären, Rotluchse und Weißkopfseeadler. Ein Waschbär fehlt offenbar. Wahrscheinlich hat er gerade andernorts einen wichtigen Termin mit einer Mülltonne.
Das bekannte Grundgefühl bleibt: Wir legen Karten in unseren Lebensraum und suchen möglichst wertvolle Wechselwirkungen zwischen den Arten. Neu im Mittelpunkt stehen Geländekarten sowie Flüsse und andere Wasserflächen. Gewässer können eigenständig liegen oder unter Bäume geschoben werden und unterschiedliche Lebensräume miteinander verbinden.

Mich interessiert vor allem, wie stark der Wasserfokus die Entscheidungen verändert. Neue Tiere allein wären für mich noch kein zwingender Grund für einen weiteren eigenständigen Mischwald. Neue Verbindungen zwischen den Karten könnten dagegen tatsächlich einen anderen Spielrhythmus erzeugen.
Ich mag das ursprüngliche Spiel inzwischen sehr, auch wenn unser Start nicht völlig reibungslos war. Smoky Mountains darf deshalb gern vertraut sein. Ich möchte nur herausfinden, ob ich ein neues Ökosystem plane oder im Wesentlichen denselben Wald bewirtschafte, diesmal eben mit nassen Füßen.
Advertisement: Mischwald: Smoky Mountains vorbestellen: bei Spiele-Offensive
4. -60°: Ein Forschungsnetzwerk in der Antarktis
-60°, auch Sixty Below, stammt von Alexander Pfister und Peter Prinz und erscheint auf Deutsch bei dlp games. Für 1 bis 4 Personen sind ungefähr zwei bis drei Stunden vorgesehen. Wir führen ein Forschungsteam durch die Antarktis des Jahres 1971.
Nach einem Meteoriteneinschlag bauen wir eine Station auf, entwickeln Technologien und bereiten Expeditionen zur Einschlagstelle vor. Mechanisch treffen Worker Placement, Deck- beziehungsweise Poolbuilding, Erkundung und Push your Luck aufeinander. Also eine ganze Menge Möglichkeiten, sich bei ausgesprochen ungemütlichen Temperaturen zu beschäftigen.
Besonders spannend finde ich den Umgang mit den Teammitgliedern. Eingesetzte Figuren kommen nicht einfach am Rundenende gesammelt zurück. Sie bleiben draußen im Gelände und erschließen von dort weitere Gebiete und Aktionsmöglichkeiten. Unser Netzwerk wächst also über den Spielplan hinweg.
Damit interessiert mich nicht nur, welche Aktion ich jetzt ausführe, sondern auch, was mein Einsatz für spätere Expeditionen vorbereitet. Dieser räumliche Aufbau könnte die Forschung tatsächlich wie eine fortschreitende Unternehmung wirken lassen.
Ob daraus eine packende Überlebensgeschichte wird oder nach drei Stunden vor allem meine Geduld ums Überleben kämpft, muss sich zeigen. Alexander Pfister, Antarktis und ein wachsendes Expeditionsgebiet reichen aber völlig aus, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen.
5. The Mix: HABA eröffnet eine Cocktailbar
The Mix ist ein Engine Builder für 1 bis 4 Personen und etwa 60 bis 90 Minuten. Wir betreiben eine Cocktailbar, beschaffen Zutaten und versuchen, unsere Abläufe immer effizienter miteinander zu verzahnen. Das Überraschende daran ist für mich zunächst der Verlag: HABA.
Bei HABA denke ich zuerst an gelbe Schachteln, Obstgarten und Kinder, die den Erwachsenen erklären, dass sie schon wieder falsch spielen. The Mix richtet sich dagegen an ein deutlich strategischeres Publikum. Diesen Kontrast finde ich ausgesprochen interessant.
Wir setzen unsere Mixologen auf Aktionsfelder, kaufen Zutaten und erfüllen Bestellungen. Neue Rezepte und verbesserte Fähigkeiten sollen dafür sorgen, dass aus einzelnen Aktionen zunehmend ein gut laufender Barbetrieb wird. Am Ende entscheidet die gesammelte Punktzahl.
Ein guter Engine Builder lebt für mich davon, dass Verbesserungen nicht bloß zusätzliche Symbole liefern, sondern den eigenen Handlungsspielraum spürbar verändern. Genau das möchte ich hier prüfen: Greifen Einkauf, Rezepte und Aufträge so ineinander, dass ich meine Bar wirklich entwickeln kann?
Ich habe The Mix bereits bei einer Verlagspräsentation gesehen, aber noch nicht selbst gespielt. Hinter dem ungewöhnlichen HABA-Auftritt könnte ein richtig schöner Optimierer stecken. Es könnte natürlich auch darauf hinauslaufen, dass wir mit erstaunlichem organisatorischem Aufwand eine virtuelle Limette zerschneiden.
Mehr dazu: Die drei HABA-Neuheiten Würfeldrachen, Kilauea und The Mix.
Advertisement: The Mix vorbestellen: bei Spiele-Offensive
6. Queen Alice: Schachzüge als Aktionsauswahl
Queen Alice verbindet Alice im Wunderland, Schachbewegungen und Engine Building für 1 bis 4 Personen. Die angegebene Spielzeit reicht abhängig von der Besetzung von etwa 30 bis 120 Minuten. Die mehrsprachige Ausgabe enthält auch Deutsch.
Wir schließen uns dem Hofstaat der Spiegelwelt an und arbeiten an Aufgaben rund um Alices Krönung. Dabei ist niemand dauerhaft der roten oder weißen Seite zugeordnet. Stattdessen dürfen wir Figuren beider Farben nach den bekannten Schachregeln bewegen.
Die Reihen und Spalten des Bretts stehen für unterschiedliche Ressourcen und Aktionen. Die Bewegung bestimmt also, welche Möglichkeiten wir erreichen. Das Schachbrett ist hier nicht bloß Dekoration, sondern Teil der Aktionsauswahl.

Genau dieser Ansatz macht mich neugierig. Weil beide Farben allen zur Verfügung stehen, schaue ich auf das Brett offenbar anders als bei einer klassischen Schachpartie. Gleichzeitig gibt es mehrere miteinander verbundene Teilbereiche.
Dort liegt für mich auch das Risiko: Entsteht ein ungewöhnliches, stimmiges Gesamtspiel oder verwalte ich mehrere kleine Spiele, die sich gegenseitig im Weg stehen? Die Mischung klingt jedenfalls eigenständig genug für einen genaueren Blick. Bei der breiten Spielzeitangabe muss ich nur aufpassen, dass aus einer kurzen Erklärung nicht versehentlich mein kompletter Nachmittag im Wunderland wird.
7. Drillers: Eine Ebene tiefer geht doch noch
Drillers erscheint auf Deutsch bei Heidelberg Games und ist für 1 bis 4 Personen vorgesehen. Als Spielzeit sind ungefähr 30 Minuten pro Person angegeben. Hier habe ich mich bereits finanziell festgelegt, bevor abschließend geklärt ist, ob das eine kluge Entscheidung war. Ein bewährtes Verfahren unter Brettspielmenschen.
Wir steuern Roboter durch eine verlassene Mine, fördern Mineralien und versuchen anschließend, unsere Ladung sicher an die Oberfläche zu bringen. Je tiefer wir vordringen, desto wertvoller werden die Funde. Gleichzeitig wachsen die Probleme mit Treibstoff, Schäden und Rückweg.
Das erinnert vom grundsätzlichen Spannungsbogen ein wenig an Klong!: Wie viel Risiko nehme ich noch mit, bevor ich meine Beute sichere? Im Zentrum stehen mehrfach nutzbare Karten. Sie liefern Aktionen, erweitern unser Deck und verbessern die Fähigkeiten des Roboters.

Oben verkaufen wir unsere Funde, rüsten Maschinen auf und können Teile der Logistik automatisieren. Damit verbindet Drillers das Risiko unter Tage mit einem dauerhaften Ausbau an der Oberfläche.
Mich reizt genau diese wiederkehrende Entscheidung zwischen Vernunft und Gier. Erfahrungsgemäß halte ich eine zusätzliche Ebene immer noch für vertretbar. Erfahrungsgemäß ist das außerdem ziemlich genau der Moment, in dem alles schiefgeht.
Advertisement: Drillers vorbestellen: bei Spiele-Offensive
8. Night at the ZOO: Nächtlicher Ausflug mit Rückholservice
Night at the ZOO ist für 1 bis 4 Personen gedacht und soll ungefähr 30 Minuten dauern. Zur Messe soll auch eine deutsche Fassung verfügbar sein. Nach den größeren Spielen auf meiner Liste klingt das nach einem angenehmen Gegenprogramm.
Die Tiere sind nachts ausgebrochen und müssen möglichst unauffällig zurück in ihre Gehege. Dafür draften wir Plättchen und legen sie auf unser eigenes Tableau. So entstehen Wege und Aktionsmöglichkeiten, mit denen wir die Tiere bewegen.
Entscheidend ist, dass sich die Tierarten unterschiedlich verhalten und eigene Wertungsbedingungen mitbringen. Wir müssen also nicht einfach möglichst hübsche Wege legen. Wir verbinden verschiedene Bewegungsmuster mit unterschiedlichen Zielen und versuchen, beides auf derselben Fläche unterzubringen.
Das klingt nach einem kleinen Puzzle, bei dem die konkreten Tierkombinationen den Unterschied machen könnten. Genau diese Abwechslung möchte ich kennenlernen: Muss ich meine Planung je nach Besetzung des Zoos wirklich umstellen?
Eine halbe Stunde ist dafür ein reizvoller Rahmen. Ich brauche hier keine epische Entwicklung, möchte am Ende aber das Gefühl haben, eine knackige Aufgabe gelöst zu haben. Bloß Tiere nach Hause sortieren wäre mir zu wenig. Socken nach der Wäsche sortieren reicht als regelmäßige Beschäftigung vollkommen aus, und auch dabei fehlt meistens einer.
9. Gaudí: Schön bauen reicht nicht
Gaudí erscheint auf Deutsch bei HUCH! und ist für 1 bis 4 Personen mit ungefähr 45 bis 90 Minuten vorgesehen. Thematisch beschäftigen wir uns mit dem Leben und den Inspirationen Antoni Gaudís. Aus farbigen Scherben gestalten wir unser eigenes Trencadís-Mosaik.
Über drei Runden bewegen wir unsere Figuren um einen zentralen Kronleuchter. Unser Haltepunkt bestimmt, ob wir Karten ziehen oder ausspielen, Scherben sammeln und das persönliche Tableau weiterentwickeln. Der kreative Aufbau ist dabei mit drei Entwicklungsbereichen verbunden.
Die Schlusswertung hat einen ziemlich gemeinen Haken: Es zählen nur die beiden niedrigsten Werte dieser drei Bereiche. Eine einzige beeindruckende Spezialisierung trägt uns also nicht automatisch zum Sieg. Wer einen Bereich vernachlässigt, kann das am Ende deutlich zu spüren bekommen.
Mir gefällt an dieser Idee, dass sie meine Aufmerksamkeit verteilt. Ich kann nicht ausschließlich den gerade besonders attraktiven Möglichkeiten hinterherlaufen und alles andere vergessen. Zumindest theoretisch. Praktisch finde ich vermutlich trotzdem zuerst die schönen blauen Scherben.
Auf der Messe möchte ich herausfinden, ob diese Wertung eine spannende Balance erzeugt oder das freie Mosaikbauen eher ausbremst. Und natürlich bleibt die ästhetische Frage: Sieht mein Ergebnis nach inspirierter Gestaltung aus oder nach Badezimmerfliesen, die nach einem kleineren Erdbeben neu verlegt wurden?
Advertisement: Gaudí vorbestellen: bei Spiele-Offensive
10. The Game Makers: Brettspiele über Brettspielproduktion
In The Game Makers führen 1 bis 6 Personen jeweils eine eigene Fabrik. Schon das Thema sichert dem Spiel einen Platz auf meiner Liste: Wir produzieren Brettspiele. Nicht irgendwelche erfundenen Schachteln, sondern mehr als 300 echte Titel von über 100 Verlagen.
Über ein gemeinsames Lager-Rondell steuern wir Gabelstapler und sammeln Karten, Würfel, Kunststoffteile, Stanzbögen sowie Arbeitskräfte. Diese Bestandteile verwenden wir entweder für die Spieleproduktion oder für dauerhafte Verbesserungen unserer Fabrik.
Die mehrfach nutzbaren Komponenten versprechen damit eine klassische wirtschaftliche Abwägung: Investiere ich jetzt in ein Produkt oder in bessere Voraussetzungen für später? Zusammen mit dem Rondell könnte daraus ein schönes Produktionsspiel entstehen.

Allerdings besteht eine reale Gefahr, dass ich mehr Zeit mit dem Wiedererkennen von Schachteln verbringe als mit meiner Strategie. Ein wirtschaftlich fragwürdiger Fabrikleiter, aber ein begeisterter Sammler.
Deshalb interessiert mich besonders, wie viel Entscheidungstiefe hinter den bekannten Covern steckt. Wenn Beschaffung, Produktion und Ausbau sinnvoll konkurrieren, passt das Thema hervorragend. Andernfalls bleibt womöglich eine sehr große Brettspiel-Bildersammlung. Das Material ist weitgehend textfrei; eine deutsche Ausgabe ist nach meinem bisherigen Stand allerdings nicht verfügbar.
11. Kalypso: Treibgut wird zur schwimmenden Siedlung
Kalypso erscheint auf Deutsch bei Pegasus und ist für 1 bis 4 Personen mit etwa 40 bis 60 Minuten Spielzeit gedacht. Die Landmassen sind verschwunden. Wir bauen deshalb aus Treibgut schwimmende Siedlungen auf dem Ozean. Irgendwann würde in dieser Welt vermutlich selbst die deutsche Mülltrennung kapitulieren.
Über vier Runden erhalten oder draften wir Treibgutplättchen und setzen daraus eine mehrstöckige Siedlung auf unserem eigenen Ozeantableau zusammen. Beim Platzieren sammeln wir Fässer und Überlebende. Neue Gebäude verändern im weiteren Verlauf unsere Möglichkeiten.
Verschiedene Ziele und Schwierigkeitsgrade sollen Abwechslung schaffen. Besonders auffällig finde ich aber die angekündigten Spielweisen: Kalypso soll solo, kooperativ und kompetitiv funktionieren.
Das ist ein reizvolles Versprechen, das ich gern genauer prüfen möchte. Ein Puzzle kann in mehreren Formen gut funktionieren, aber mich interessiert, ob Zusammenarbeit und Konkurrenz meine Planung tatsächlich verändern. Oder löse ich letztlich immer dieselbe Aufgabe, nur einmal gemeinsam und einmal mit getrennten Punktzahlen?
Auch das Bauen über mehrere Ebenen macht mich neugierig. Die Kombination aus räumlichem Puzzle, Wasserwelt und überschaubarer Spielzeit klingt nach einem guten Messekandidaten. Gerade zwischen längeren Strategiespielen könnte Kalypso angenehm viel Aufbaugefühl in einen begrenzten Zeitrahmen packen.
Advertisement: Kalypso vorbestellen: bei Spiele-Offensive
12. Avalon: The Riven Veil: Nebel, Fraktionen und viel Tischpräsenz
Im Grundspiel von Avalon: The Riven Veil führen 2 bis 4 Personen unterschiedliche Fraktionen über eine zunächst nebelverhangene Insel. Mit Zusatzinhalten lässt sich offenbar eine fünfte Fraktion ergänzen. Auf der SPIEL wird voraussichtlich die englische Ausgabe präsentiert; eine deutsche Fassung ist bislang nicht bestätigt.
Wir erkunden Regionen, suchen Artefakte und den Gral, binden mythische Wesen an unsere Seelen und kämpfen um die Kontrolle wichtiger Gebiete. Die Fraktionen spielen sich asymmetrisch. Gleichzeitig verändert sich die Karte durch die Erkundung von Partie zu Partie.

Mechanisch verbindet Avalon Gebietskontrolle, Handkartenmanagement und Kämpfe mit Push-your-Luck-Elementen. Das könnte starke Geschichten hervorbringen, weil nicht nur die eigene Fraktion, sondern auch die entdeckte Insel den Verlauf beeinflusst.
Meine Frage ist, wie deutlich diese Elemente das klassische Gefühl eines Gebietskontrollspiels verändern. Eröffnet Erkundung neue strategische Wege? Und wirken die unterschiedlichen Fraktionen wirklich eigenständig?
Bei einem so großen Paket interessiert mich außerdem die Zugänglichkeit. Ich möchte um Regionen ringen, nicht vor allem gegen meine Erinnerung an die Regeln kämpfen. Optisch ist Avalon jedenfalls ein Spiel, bei dem ich im Vorbeigehen ziemlich sicher langsamer werde. Jetzt muss sich zeigen, ob es mich auch spielerisch festhält.
13. Prag im Verborgenen: Wir bauen unsere Aktionsfelder selbst
Prag im Verborgenen erscheint auf Deutsch bei BSL Games, dem Verlag hinter den Spieledinos. Für 1 bis 4 Personen sind etwa zwei Stunden oder mehr vorgesehen. Schauplatz ist ein mystisches Prag des 19. Jahrhunderts, dessen überflutete Innenstadt wiederaufgebaut werden muss.
Dabei helfen unter anderem Golems, Roboter, gehörnte Wesen und Wassergeister. Eine ungewöhnliche Baukolonne, wobei bei deutschen Bauprojekten vermutlich schon das Genehmigungsverfahren ein eigenständiges Expertenspiel ergeben würde.
Im Kern handelt es sich um Worker Placement mit unterschiedlichen Kreaturen und ihren jeweiligen Möglichkeiten. Der für mich spannendste Punkt: Neue Aktionsfelder entstehen erst während der Partie. Wir bauen also nicht nur unser eigenes System aus, sondern erweitern gleichzeitig das gemeinsame Angebot an Aktionen.
Dadurch könnte jede Verbesserung eine interessante Nebenwirkung haben. Was mir neue Möglichkeiten verschafft, steht anschließend möglicherweise auch der Konkurrenz zur Verfügung. Dazu kommen mehrere thematische Teilbereiche, zusätzliche Fähigkeiten und der Wettbewerb um Einfluss in vier Stadtvierteln.
Das kann wunderbar ineinandergreifen, könnte aber auch recht vollgestopft wirken. Ich möchte deshalb erleben, ob der gemeinsame Ausbau ein spannendes Rennen erzeugt und ob die Teilbereiche ein verständliches Ganzes bilden. Das ungewöhnliche Prag-Thema hat meine Aufmerksamkeit bereits. Die entstehenden Aktionsmöglichkeiten müssen jetzt den spielerischen Rest erledigen.
Advertisement: Prag im Verborgenen vorbestellen: bei Spiele-Offensive
14. Timespan: Von der Steinzeit zur Raumfahrt in 90 Minuten
Timespan möchte die Entwicklung einer vollständigen Zivilisation für 1 bis 5 Personen in ungefähr 90 Minuten abbilden. Von der Steinzeit bis ins Weltraumzeitalter, ohne Krieg, dafür mit Kultur, Wissenschaft und Erkundung. Andere Zivilisationsspiele benötigen für diesen Zeitraum gefühlt ungefähr so lange wie die Menschheitsgeschichte selbst.
Wir entwickeln eine persönliche Zeitleiste mit historischen Persönlichkeiten, Gebäuden und Technologien. Jede Runde wählen wir zunächst neue Karten und Entdeckungen. Anschließend setzen wir gleichzeitig Arbeitskräfte ein, um Karten in unserer Zeitleiste, Aktionen auf dem Tableau oder Wunder zu aktivieren.
Die Zeitleiste bietet vier Plätze. Neue Errungenschaften schieben ältere Karten daraus hinaus in unser dauerhaftes Vermächtnis. Damit stellt sich immer wieder die Frage, was wir unmittelbar nutzen möchten und welche Entwicklung unserer Zivilisation langfristig helfen soll.
Nach fünf Runden gewinnt die höchste Punktzahl. Die gleichzeitigen Aktionen sollen dafür sorgen, dass das große Thema im angekündigten Zeitrahmen bleibt.
Mich interessiert, ob sich diese kompakte Entwicklung trotzdem zusammenhängend anfühlt. Entsteht ein nachvollziehbarer Aufstieg oder wird das Rad erfunden, während nebenan schon jemand auf dem Mars einparkt? Die bisherigen guten Bewertungen machen neugierig, sind wegen der noch kleinen Zahl an Eindrücken aber kein belastbares Urteil. Timespan wird auf Englisch angeboten; eine deutsche Ausgabe ist bislang nicht bestätigt.
15. Greenwood: Meine Begleiter helfen auch der Konkurrenz
Greenwood ist die große Feuerland-Neuheit und erscheint vollständig auf Deutsch. 1 bis 4 Personen übernehmen uralte Geister, retten magische Wesen und stellen ein Waldheiligtum wieder her. Die angegebene Spielzeit reicht abhängig von der Personenzahl von ungefähr 40 bis 160 Minuten.
Über drei Nächte erkunden wir neue Gebiete, sammeln Begleiter und versuchen, unsere begrenzten Aktionen möglichst effizient einzusetzen. Mit Energie aktivieren wir Fähigkeiten oder schicken einen Begleiter in den Wald. Dort sammeln wir Wissen und befreien mystische Wesen. Am Ende gewinnt der Clan, der am meisten zur Befreiung Greenwoods beigetragen hat.
Der besondere Reiz liegt für mich bei den Begleiterkarten. Sie gehören einer Person, können aber gegen eine begrenzte Ressource auch von anderen aktiviert werden. Ich entwickle also mein eigenes System und stelle gleichzeitig Werkzeuge für die Konkurrenz bereit. Im echten Leben würde dafür vermutlich jemand ein monatliches Lizenzmodell anbieten.
Spielerisch könnte diese gemeinsame Nutzung für schöne Wechselwirkungen sorgen. Ich muss nicht nur meine eigene Auslage kennen, sondern auch das Angebot der anderen im Blick behalten.
Ob das lebendige Interaktion erzeugt oder vor allem zusätzliche Rechenarbeit, möchte ich selbst erleben. Ebenso interessiert mich, mit welcher Personenzahl Greenwood am besten funktioniert. Die große Zeitspanne macht diese Frage besonders relevant. Thema und Kartensystem sichern dem Spiel jedenfalls einen festen Listenplatz.
Mehr dazu: meine erste Einschätzung zu Greenwood von Feuerland Spiele.
Advertisement: Greenwood vorbestellen: bei Spiele-Offensive
16. Entropy: Ein Sonnensystem mit eingebautem Zeitdruck
Entropy erscheint auf Deutsch bei Frosted Games und lässt 1 bis 4 Personen eigene Sonnensysteme aufbauen. Wir erschaffen Sterne und Planeten und entwickeln schließlich unterschiedliche Lebensformen. Hinter dem Spiel stehen dieselben Autoren wie hinter Wasserkraft.
Unsere Wissenschaftlerfigur bewegt sich über ein kreisförmiges Aktionssystem mit inneren und äußeren Bereichen. Dabei sind wir durchaus mit Ressourcenverarbeitung beschäftigt, allerdings innerhalb eines großen kosmischen Aufbaus. Ob sich dieser Aufbau auch wie eine kleine Weltraumgeschichte anfühlt, ist eine meiner wichtigsten Fragen.

Besonders spannend finde ich die Steuerung des Spielendes. In jeder Partie gibt es sechs gemeinsame Hauptziele. Sobald zwei davon erfüllt sind, wird das Ende ausgelöst. Ich kann meine Produktion deshalb nicht unbegrenzt und völlig ungestört optimieren.
Stattdessen muss ich im Blick behalten, wie nah die anderen diesen Zielen bereits gekommen sind. Eine Verbesserung meiner eigenen Möglichkeiten kann gut sein, aber vielleicht kommt sie zu spät. Genau diesen Wettlauf möchte ich in einer vollständigen Partie erleben.
Meine erste angefangene Partie hat dafür bereits genügend Interesse geweckt. Jetzt fehlt mir der komplette Spannungsbogen bis zur Schlussphase. Werden Sterne, Planeten und Leben zu einem stimmigen Ganzen oder bleibt vor allem eine hervorragend thematisch eingebundene Ressourcenverarbeitung? Beides ist nicht dasselbe, und genau deshalb kommt Entropy erneut auf die Messeliste.
Mehr dazu: meine Watchlist mit 11 Expertenspielen zur SPIEL 2026.
Advertisement: Entropy vorbestellen: bei Spiele-Offensive
Mein Fazit: 16 Gründe, genauer hinzusehen
Diese Auswahl ist keine Rangliste der besten Brettspiele zur SPIEL Essen 2026. Sie ist eine Sammlung von 16 Spielen, bei denen ich eine konkrete Idee spannend genug finde, um ihr Messezeit einzuräumen. Eine bekannte Marke oder eine beeindruckende Tischpräsenz können meine Aufmerksamkeit gewinnen. Entscheidend wird aber, was nach der Erklärung und den ersten Zügen davon übrig bleibt.
Bei Kingdom Come möchte ich echte Entscheidungsfreiheit spüren. Drillers muss den Nerv zwischen Gier und rechtzeitiger Rückkehr treffen. The Game Makers braucht mehr als bekannte Cover. Und bei Greenwood sowie Prag im Verborgenen interessiert mich besonders, was passiert, wenn der eigene Ausbau zugleich die Möglichkeiten der anderen verändert.
Ebenso wichtig sind mir die kleineren Zeitfenster. Night at the ZOO und Kalypso müssen nicht weniger interessant sein, nur weil sie keinen halben Messetag beanspruchen. Umgekehrt möchte ich Eternal Decks und Entropy endlich vollständig erleben, bevor ich mir ein abschließendes Urteil erlaube.
Meine Liste ist damit lang genug, um vernünftige Planung zu verlangen, und abwechslungsreich genug, um sie vor Ort wahrscheinlich wieder durcheinanderzubringen. Eigentlich also beste Voraussetzungen für eine SPIEL. Zwischen Zoo, Cocktailbar, Antarktis und eigenem Sonnensystem dürfte jedenfalls keine Langeweile aufkommen.
Weitere Messevorschauen: 10 Kennerspiele auf meiner Watchlist und 11 Expertenspiele auf meiner Watchlist.
Häufige Fragen
Welche Spiele stehen auf der SPIEL-2026-Messeliste?
Kingdom Come: Deliverance, Eternal Decks, Mischwald: Smoky Mountains, -60°, The Mix, Queen Alice, Drillers, Night at the ZOO, Gaudí, The Game Makers, Kalypso, Avalon: The Riven Veil, Prag im Verborgenen, Timespan, Greenwood und Entropy.
Ist die Liste eine Rangliste?
Nein. Ein Platz auf der Messeliste ist kein Gütesiegel, sondern Vorfreude. Eternal Decks und Entropy sind angefangen, The Mix kenne ich aus einer Verlagspräsentation, die übrigen Titel habe ich noch nicht gespielt.
Welche Spiele der Liste sind nicht auf Deutsch angekündigt?
The Game Makers ist nach meinem bisherigen Stand nicht auf Deutsch verfügbar (das Material ist weitgehend textfrei). Bei Avalon: The Riven Veil und Timespan ist eine deutsche Ausgabe bislang nicht bestätigt.
Welches Spiel auf der Liste dauert am längsten?
Kingdom Come: Deliverance ist mit etwa 90 Minuten pro Person angekündigt, bei vier Personen sind das rechnerisch rund sechs Stunden.

Leave a comment