Spieldauer: Über 90 Minuten

  • 6,5/10
    Civolution – Rezension

    Civolution – Rezension

    Es gibt Spiele, die möchte man einfach mögen. Civolution ist eines davon. Das neueste Werk von Stefan Feld, erschienen bei Deep Print Games / Pegasus, ist ein großes, umfangreiches Zivilisationsspiel mit einem innovativen Tech-Tree-Feeling, kombiniert mit einer Würfel-Programmiermechanik. Ich mag die Spiele von Stefan Feld grundsätzlich sehr, und ich hatte im Vorfeld so viel Positives gehört, dass ich mich richtig auf meine erste Partie gefreut habe. Am Ende bin ich zwiegespalten – und genau das will ich euch ehrlich erzählen.

    6,5/10
    WERTUNG
    Civolution – Szenenbild aus dem Brettspiel-Teddy-Video

    Steckbrief

    • Spieler: 1–4
    • Dauer: 2–4 Stunden
    • Mechanismus: Würfel-Programmierung, Zivilisationsaufbau
    • Thema: Zivilisationsentwicklung

    Würfel als Aktionsprogrammierer

    Jede Person hat zu Beginn ihres Zuges sechs Würfel und ein eigenes Aktionsboard zur Verfügung. Auf den Aktionsfeldern stehen jeweils Kombinationen aus zwei Würfelzahlen, zum Beispiel eine 1 und eine 3 oder eine 2 und eine 2. Ihr kombiniert eure gewürfelten Zahlen so, dass ihr die gewünschten Aktionen auslöst – dadurch entsteht ein echtes Programmiergefühl: Welche Aktion will ich als Nächstes machen, und passen meine Würfel überhaupt dazu? Ihr habt normalerweise etwa drei Züge pro Runde, könnt euch aber im Spielverlauf zusätzliche Würfel besorgen. Habt ihr einmal keine passende Zahl zur Hand, gibt es Fokus-Token als einmaligen Würfelersatz sowie Ideen-Token, mit denen ihr eine Würfelzahl um jeweils einen Wert nach oben oder unten verändern könnt.

    Ressourcen, Gebäude und die Notwendigkeit zu ernähren

    Auf dem Spielplan gibt es verschiedene Gebiete – Wüste, Berge, Wald, Wiesen und mehr – in denen unterschiedliche Ressourcen verdeckt liegen. Ihr wisst also zu Beginn gar nicht, in welchem Wald das Holz oder in welchem Gebirge das Gold versteckt ist. Eure Arbeiter-Pöppel fungieren dabei gleichzeitig als Ressourcen, Geld, Nahrung und sogar als Monument-Marker – ein cleveres Prinzip, das mehrfach verwendbares Material clever einspart.

    Eine der wichtigsten Aktionen ist das Bauen: Farmen, Häuser, Schiffe oder Monumente lassen sich auf verschiedenen Feldern errichten. Am Ende jeder Runde müsst ihr alle eure eingesetzten Arbeiter ernähren – ein gebautes Haus versorgt sich zum Beispiel automatisch selbst. Boote braucht ihr, um die Wasserfelder zu erreichen, wo ihr über einen „Schicksalswürfel“ Nahrung fischen könnt – am meisten gibt es dabei sinnvollerweise im Wasser, am wenigsten in Wüste und Gebirge.

    Karten, Leisten und ein cleveres Reset-System

    Zusätzlich spielt ihr Handkarten in fünf verschiedenen Farben aus, die euch dauerhafte Effekte, Punkte für die Endwertung oder Fortschritt auf verschiedenen Leisten bringen. Wichtig dabei: In einer Reihe dürft ihr immer nur Karten derselben Farbe spielen, wobei jede weitere Karte in dieser Reihe automatisch eine höhere, wertvollere, aber auch teurere Stufe erreicht. Über eigene Leisten könnt ihr eure Aktionsplättchen zudem dauerhaft aufwerten – einmal umdrehen für eine stärkere Version, oder ganz herausnehmen für die stärkste Stufe.

    Ein wirklich gut gelöstes Detail: Wollt ihr eure Würfel nicht mehr sinnvoll einsetzen, könnt ihr einen Reset durchführen, sofern ihr mindestens drei Würfel bereits verwendet habt. Dabei nehmt ihr alle eingesetzten Würfel wieder zurück und würfelt komplett neu – eine faire Möglichkeit, aus einer schlecht gewürfelten Situation wieder herauszukommen.

    Hintergrund: Stefan Felds neuestes Großprojekt

    Civolution stammt vom renommierten deutschen Designer Stefan Feld, bekannt für komplexe, mehrschichtige Euro-Spiele wie die Bora-Bora- oder Trajan-Reihe. Erschienen ist es bei Deep Print Games in Zusammenarbeit mit Pegasus Spiele. Mit seinem Zivilisationsthema und der ungewöhnlichen Kombination aus Würfel-Programmierung und Tech-Tree-artigem Fortschritt setzt Feld einen deutlichen Kontrapunkt zu seinen bisherigen Werken, bleibt dabei aber seiner Vorliebe für vielschichtige, eng verzahnte Systeme treu.

    Häufige Fragen (FAQ) zu Civolution

    Für wie viele Spieler ist Civolution geeignet?

    Civolution ist für 1–4 Spieler ausgelegt.

    Wie lange dauert eine Partie Civolution?

    Eine Partie Civolution dauert 2–4 Stunden.

    Welche Spielmechanismen nutzt Civolution?

    Civolution setzt auf Würfel-Programmierung, Zivilisationsaufbau.

    Wie bewertet Brettspiel Teddy Civolution?

    Brettspiel Teddy bewertet Civolution mit 6.5/10 Punkten.

    Mein Fazit

    Ich muss ehrlich sagen: Civolution wollte ich unbedingt mögen. Das Programmieren mit den Würfeln, das Ausbreiten auf dem Plan, das gegenseitige Verzahnen aller Systeme – das ist grundsätzlich genau mein Ding. Aber in beiden Partien, die ich gespielt habe, hatte ich in entscheidenden Momenten so viel Würfelpech, dass ich in der letzten Runde praktisch handlungsunfähig war. Kein passender Wurf, keine brauchbare Karte, nur noch ein Token, das mir nichts mehr brachte.

    Das Problem dabei: Civolution präsentiert sich als durchdachtes strategisches Spiel, in dem ihr alles vorausplanen könnt – aber wenn ihr trotz Fokus- und Ideen-Token am Ende einfach Pech mit den Würfeln habt, kann euch das die sorgfältig geplante letzte Runde komplett zunichtemachen. Ein strategisches Spiel mit einer Prise Glück ist völlig in Ordnung, aber wenn der Zufall an entscheidender Stelle so stark durchschlägt, wird es für mich schwierig. Ich bin nach zwei Partien noch unentschlossen – vielleicht hatte ich einfach zweimal hintereinander Pech. Wie waren eure Erfahrungen damit?

    Pro & Contra

    Pro

    • Cleveres Würfel-Programmiersystem mit viel taktischer Tiefe
    • Komplett durchdachter, gut erklärter Spielablauf
    • Enorme Verzahnung aller Systeme (Ressourcen, Karten, Leisten)
    • Hoher Wiederspielwert durch verdeckte Ressourcenverteilung

    Contra

    • Würfelpech kann trotz Ausgleichsmöglichkeiten ganze Runden zunichtemachen
    • Mit 2-4 Stunden Spielzeit ein echtes Zeitinvestment
    • Hoher Platzbedarf auf dem Tisch

    Werbung: Civolution kaufen – wenn du darüber bestellst, unterstützt du den Kanal ohne Mehrkosten für dich:

  • 9/10
    Inferno – Rezension

    Inferno – Rezension

    Inferno von Red Mojo Games ist ein echtes Highlight aus meinem diesjährigen Spielejahr: ein Spiel ab 14 Jahren für 1 bis 4 Spieler mit einer Spielzeit von etwa 120 Minuten. Entwickelt hat es Fernando Eduardo Sánchez, das Artwork stammt von David Benzal und Cristian Casado Otazu. Ursprünglich aus Spanien stammend, erschien es 2024 und hat mich sofort mit seinem düster-faszinierenden Thema gepackt: Wir schicken Seelen in die Unterwelt – inspiriert von Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“.

    9/10
    WERTUNG
    Inferno Brettspiel Rezension Video-Still

    Steckbrief

    • Spieler: 1–4
    • Alter: ab 14 Jahren
    • Dauer: ca. 120 Minuten
    • Mechanismus: Worker-Placement, Ressourcenmanagement
    • Thema: Dantes Inferno, Seelenmanagement

    Die neun Höllenkreise: Wo Farbe und Bewegung alles entscheiden

    Der Spielplan zeigt unten die Unterwelt mit mehreren konzentrischen Kreisen, die die neun Höllenkreise aus Dantes Werk symbolisieren. Jeder Kreis hat eine bestimmte Farbe, die zu farblich passenden Seelen korrespondiert, die wir in die Unterwelt hinabschicken können. Jede Position auf den Kreisen bietet Aktionsfelder, die wir durch das gezielte Bewegen unserer Seelen aktivieren. Über der Erde, also in Florenz zur Zeit Dantes, gibt es dagegen nur acht Aktionen, aufgeteilt auf vier verschiedene Aktionsfelder – wobei immer zwei Aktionen zu einem gemeinsamen Symbol gehören.

    Das Bewegen der Seelen bildet das Herzstück des Spiels. Pro Zug dürft ihr eine Seele genau einen Schritt von einem Kreis zum nächsten bewegen. Steht eine andere Seele im Weg, könnt ihr sie einfach überspringen. Landet eure Seele in einem farblich passenden Kreis, legt ihr sie dort endgültig ab und erhaltet die am Feldrand angegebenen Punkte. Es gilt also, geschickt vorauszuplanen, welche Seele wohin geschickt wird – und wann sich ein Umweg lohnt, um am Ende in den richtigen Kreis zu gelangen.

    Woher bekommt ihr überhaupt neue Seelen? Frische Seelen kommen vom Friedhof, wofür ihr den „Fährmann des Todes“ mit der Ressource Drachme bezahlen müsst. Grundsätzlich gilt: Alle Aktionen unter der Erde kosten Drachme, während Aktionen über der Erde in Florenz mit Florin bezahlt werden – zwei strikt getrennte Wirtschaftskreisläufe, die ihr parallel im Blick behalten müsst.

    Florenz: Sünden, Familie und der Turm als Herzstück

    Die Aktionen in Florenz drehen sich um Sünden und euer Familienleben. Ihr könnt Straßenstände eröffnen, Fässer vom Markt stehlen (was ausschließlich Kinder dürfen), Familienmitglieder für Aktionen einsetzen und neue Kinder bekommen, die euch als zusätzliche Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Kinder dürfen manche Aktionen sogar kostenlos ausführen, während Erwachsene dafür bezahlen müssen – ein charmanter, thematisch stimmiger Kniff.

    Ein zentraler Baustein ist der Turm auf eurem Spielertableau, den ihr im Spielverlauf ausbauen könnt. Der Turm bietet Lagerplätze für Gäste und Fässer. Fässer in vier verschiedenen Farben lassen sich am Markt stehlen und für besonders starke Aktionen einsetzen. Gäste im Turm sind ebenfalls essenziell, denn ohne einen passenden Gast in der richtigen Farbe könnt ihr keine Beschuldigungen aussprechen.

    Was bedeutet „Beschuldigen“? An bestimmten Orten in Florenz, die jeweils eine der Todsünden symbolisieren, könnt ihr andere Charaktere beschuldigen – vorausgesetzt, ihr habt zuvor einen Arbeiter auf das entsprechende Feld gesetzt und den passenden Gast im Turm untergebracht. Beschuldigungen bringen euch Fortschritt auf speziellen Farbleisten, die wiederum mächtige Aktionen und wertvolle Punkte freischalten. Gleichzeitig müsst ihr das beschuldigende Familienmitglied schützen, indem ihr es im Turm unterbringt – habt ihr dort keinen Platz mehr frei, bleibt euch nur eine deutlich schwächere Notaktion.

    Dante rückt vor: Der Countdown zum Spielende

    Immer wenn ein:e Spieler:in passt oder eine Beschuldigung ausspricht, rückt die Figur Dantes auf einem eigenen Track ein Feld vor. Sobald Dante das Ende seines Weges erreicht, endet die Partie sofort. An bestimmten Feldern auf Dantes Weg werden zusätzlich einzelne Farbreihen zwischengewertet: Wer zu diesem Zeitpunkt auf der entsprechenden Leiste am weitesten vorne steht, erhält ein Zertifikat, das am Spielende als Multiplikator für die entsprechenden Punkte zählt. Es gibt außerdem halbe Zertifikate, die sich zu vollen kombinieren lassen – eine zusätzliche strategische Ebene für alle, die auf mehreren Farben gleichzeitig mitmischen wollen.

    Dieser Dante-Track sorgt für ein spürbares, stetig wachsendes Zeitgefühl: Jede Beschuldigung, jedes Passen bringt das unvermeidliche Ende näher, und ihr müsst genau kalkulieren, ob ihr noch eine weitere Investition wagt oder lieber schon auf den Abschluss eurer laufenden Pläne hinarbeitet.

    Häufige Fragen (FAQ) zu Inferno

    Für wie viele Spieler ist Inferno geeignet?

    Inferno ist für 1–4 Spieler ausgelegt.

    Ab welchem Alter ist Inferno geeignet?

    Inferno ist ab 14 Jahren geeignet.

    Wie lange dauert eine Partie Inferno?

    Eine Partie Inferno dauert ca. 120 Minuten.

    Welche Spielmechanismen nutzt Inferno?

    Inferno setzt auf Worker-Placement, Ressourcenmanagement.

    Wie bewertet Brettspiel Teddy Inferno?

    Brettspiel Teddy bewertet Inferno mit 9/10 Punkten.

    Mein Fazit

    Inferno ist für mich ein tiefgründiges und thematisch außergewöhnlich starkes Spiel mit einem einzigartigen Seelenmanagement-Mechanismus, wie ich ihn so noch in keinem anderen Titel gesehen habe. Die Kombination aus strikt getrenntem Ressourcenmanagement, Familienplanung über mehrere Generationen und taktischem Platzieren der Seelen macht Inferno für mich zu einem der besten Spiele, die ich dieses Jahr gespielt habe.

    Es ist zweifellos komplex – mit einer Spielzeit von rund 120 Minuten und vielen ineinandergreifenden Subsystemen ist das definitiv kein Spiel für einen kurzen Spieleabend zwischendurch. Aber genau diese Komplexität zahlt sich aus: Jede Entscheidung fühlt sich bedeutsam an, und das morbid-faszinierende Thema wird nicht nur aufgesetzt, sondern durchdringt tatsächlich jeden Mechanismus des Spiels, von der Seelenfarbe bis zur Familienplanung.

    Für Kenner:innen und Vielspieler:innen, die sich auf ein anspruchsvolles, thematisch einzigartiges Erlebnis einlassen wollen, ist Inferno absolut empfehlenswert. Gelegenheitsspieler:innen sollten sich dagegen der hohen Einstiegshürde bewusst sein – dieses Spiel will erlernt und mehrfach gespielt werden, um sein volles Potenzial zu entfalten.

    Pro & Contra

    Pro

    • Einzigartiges, düsteres Thema stark umgesetzt
    • Tiefes Ressourcen- und Familienmanagement
    • Hoher Wiederspielwert für Kenner:innen
    • Dante-Track sorgt für spürbaren Spannungsbogen

    Contra

    • Lange Spielzeit (ca. 120 Minuten)
    • Hohe Einstiegshürde für Gelegenheitsspieler:innen

    Werbung: Inferno kaufen – wenn du darüber bestellst, unterstützt du den Kanal ohne Mehrkosten für dich:

  • 8,0/10
    Algae Inc – Rezension

    Algae Inc – Rezension

    Algae Inc hat mich wirklich überrascht. Ich war schon auf den SPIEL-Tagen ganz heiß darauf, denn ich hatte dort die Designerin Julia Thiemann und ihren Co-Autor Christoph Waage getroffen, konnte das Spiel dort aber nicht anspielen, weil der Tisch ständig besetzt war. Die Veröffentlichung hat sich dann noch mehrfach verschoben – aber ich kann euch sagen: Die Vorfreude hat sich absolut gelohnt. Selten hatte ich bei einem Spiel eine so hohe Erwartungshaltung, die am Ende sogar noch übertroffen wurde.

    8,0/10
    WERTUNG
    Algae Inc – Szenenbild aus dem Brettspiel-Teddy-Video

    Steckbrief

    • Spieler: 1–4
    • Dauer: 60–120 Minuten
    • Mechanismus: Aktionsbaum, Engine-Building
    • Thema: Algenfabrik

    Die eigene Algenfabrik: Jedes Tableau tickt anders

    In Algae Inc betreibt jede Person ihre eigene kleine Algenfabrik, in der Algen zu Kosmetik, Geschirr, Nahrungsmitteln und weiteren Produkten verarbeitet werden. Das Besondere: Jedes Spieler-Tableau ist asymmetrisch aufgebaut. Ihr habt zwar alle Fließbänder, mit denen die Algen von Maschine zu Maschine wandern, aber die Anordnung dieser Bänder unterscheidet sich – mal läuft ein Band nach oben, mal kreuz und quer über das Tableau. Dadurch spielt sich jede Fabrik spürbar anders, selbst wenn die grundsätzlichen Regeln identisch bleiben.

    Es gibt vier verschiedene Algenarten, doch zu Beginn dürft ihr nur eine einzige davon produzieren. Erst im Spielverlauf schaltet ihr weitere Felder frei, um zusätzliche Algenarten zu verarbeiten – was wiederum bessere und wertvollere Produkte ermöglicht.

    Der Aktionsbaum: Vorausplanung ist alles

    Das Herzstück von Algae Inc ist ein cleveres Aktionswahlsystem in Form eines Aktionsbaums. Jede Aktion ist dabei nur mit zwei weiteren Aktionen auf der nächsten Ebene verbunden. Wählt ihr also eine Aktion ganz unten links, verbaut ihr euch damit automatisch den Zugriff auf bestimmte Aktionen weiter oben rechts. Das zwingt euch, schon beim ersten Zug der Runde zu überlegen, welche Aktion ihr als Nächstes und Übernächstes wirklich braucht.

    Der Aktionsbaum hat fünf Etagen, das heißt, jede Runde besteht aus fünf Zügen, bis ihr oben ankommt. Und auch dort ist die Reise nicht vorbei: Am Ende jedes der drei Aktionsstränge warten unterschiedliche Boni, die ihr aber nur bekommt, wenn euer Energiestand hoch genug ist. Die Energieleiste ist dreigeteilt – im roten Bereich gibt es gar keinen Bonus, in der Mitte dürft ihr euch einen von zwei Boni aussuchen, und im grünen Bereich sogar beide. Das schafft einen echten Anreiz, die eigene Energieversorgung im Blick zu behalten.

    Fließbänder, Arbeiter und ein cleveres Puzzle-Element

    Über eine der Grundaktionen aktiviert ihr eure Maschinen und schiebt die gelagerten Algen von Fließband zu Fließband, bis sie am Ende produziert sind. Die fertigen Produkte könnt ihr anschließend an verschiedene Orte auf dem Spielplan liefern – jeder Ort verlangt dabei einen bestimmten Warenwert, den ihr aus euren Produkten zusammenstellen müsst.

    Zusätzlich stehen euch drei verschiedenfarbige Arbeiter zur Verfügung, die jeweils zwei unterschiedliche Aktionen ausführen können: Der eine bringt euch zusätzliche Algen, ein anderer erlaubt es, Plättchen auf eurem Tableau zu entfernen oder zu ergänzen. Genau hier kommt das Puzzle-Element ins Spiel: Auf eurem Board gibt es dunkelblaue Plättchen, die Maschinenverbesserungen darstellen und die ihr loswerden wollt, und hellblaue Plättchen, die ihr stattdessen gezielt an ihre Stelle setzen möchtet. Am Ende zählt die größte zusammenhängende Fläche dieser hellblauen Plättchen für zusätzliche Punkte – ein herrlich verzahntes Detail, das dem Spiel noch eine weitere strategische Ebene hinzufügt.

    Liefern, Meilensteine und der Weg zu mehr Einkommen

    Neben der reinen Produktion dreht sich in Algae Inc vieles um das Liefern eurer fertigen Waren. Jeder Lieferort verlangt einen bestimmten Warenwert, den ihr aus euren produzierten Gütern zusammenstellen müsst – ähnlich wie beim Zusammenrechnen verschiedener Warenwerte, bis die geforderte Summe erreicht ist. Für jede Lieferung gibt es nicht nur direkte Belohnungen, sondern ihr erfüllt damit auch Meilensteine: Liefert ihr etwa in zwei unterschiedlich farbige Regionen oder in Städte mit hohem Wert, dürft ihr Marker auf eurem Tableau platzieren.

    Diese Marker sind mehr als nur Häkchen auf einer Liste – sie schalten zusätzliche Einkommensfelder frei. Je mehr Marker ihr im Laufe des Spiels setzt, desto mehr Einkommen generiert ihr am Rundenende automatisch. Besonders clever gelöst: Ihr müsst zuerst die linken Einkommensfelder freischalten, bevor ihr auf der rechten Seite an die wertvolleren Siegpunkt-Felder herankommt. Das erzeugt eine klare Reihenfolge, in der sich eure Fabrik entwickeln muss, und verhindert, dass man sich gleich zu Beginn nur auf die dicksten Punktequellen stürzt.

    Für wen lohnt sich Algae Inc?

    Algae Inc richtet sich klar an Vielspieler:innen, die komplexe, gut verzahnte Euro-Spiele mit Engine-Building-Charakter schätzen. Wer bereits Spiele wie Marco Polo, Praga Caput Regni oder ähnliche Aktionswahl-Euros mag, wird sich bei Algae Inc sofort zuhause fühlen. Für Gelegenheitsspieler:innen oder reine Familienrunden ist der Einstieg dagegen recht anspruchsvoll – die Kombination aus Aktionsbaum, Energiemanagement, Fließband-Puzzle und Meilenstein-System will erst einmal verinnerlicht werden. Wer sich aber darauf einlässt, wird mit einem der rundesten neuen Euro-Spiele des Jahres belohnt.

    Hintergrund: Ein deutsches Autorenduo mit Gespür für Verzahnung

    Algae Inc stammt von der deutschen Designerin Julia Thiemann und ihrem Co-Autor Christoph Waage und ist beim belgischen Verlag Game Brewer erschienen, der in den letzten Jahren mit anspruchsvollen, hochwertig produzierten Euro-Spielen aufgefallen ist. Das Thema – die Verarbeitung von Algen zu nachhaltigen Zukunftsprodukten wie Bioplastik oder Kosmetik – ist ungewöhnlich frisch und passt hervorragend zum aktuellen Trend hin zu Spielen mit realweltlichem Hintergrund und Nachhaltigkeitsbezug.

    Häufige Fragen (FAQ) zu Algae Inc

    Für wie viele Spieler ist Algae Inc geeignet?

    Algae Inc ist für 1–4 Spieler ausgelegt.

    Wie lange dauert eine Partie Algae Inc?

    Eine Partie Algae Inc dauert 60–120 Minuten.

    Welche Spielmechanismen nutzt Algae Inc?

    Algae Inc setzt auf Aktionsbaum, Engine-Building.

    Wie bewertet Brettspiel Teddy Algae Inc?

    Brettspiel Teddy bewertet Algae Inc mit 8,0/10 Punkten.

    Mein Fazit

    Algae Inc ist eines der stärksten neuen Euro-Spiele, die ich dieses Jahr auf dem Teddytisch hatte. Die Grundaktionen für sich genommen sind angenehm simpel – einen Arbeiter aktivieren, ein Fließband schieben, ein Plättchen setzen – aber das Zusammenspiel all dieser Elemente ist unglaublich clever verzahnt. Der Aktionsbaum sorgt für angenehmes Grübeln, ohne dabei zäh zu werden, und das Puzzle-Element mit den hellblauen Plättchen gibt dem Spiel noch einen zusätzlichen strategischen Kniff.

    Mit 60 bis 120 Minuten Spielzeit ist Algae Inc definitiv ein Spiel für den etwas planungsintensiveren Spieleabend, nicht für zwischendurch. Aber wer gerne vorausplant, Engines baut und Ressourcen optimiert, wird hier ein rundes, durchdachtes Erlebnis finden. Für mich klar eines der Highlights des Jahres und ein fester Kandidat für meine persönliche Top 10.

    Pro & Contra

    Pro

    • Clever verzahntes Aktionswahl- und Puzzle-System
    • Asymmetrische Spieler-Tableaus sorgen für Abwechslung
    • Ungewöhnliches, frisches Thema (Algen-Wirtschaft)
    • Angenehm grüblastig, ohne zäh zu werden

    Contra

    • Mit 60-120 Minuten kein Spiel für zwischendurch
    • Hoher Planungsaufwand kann Einsteiger überfordern

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  • 8,5/10
    Mondbasis Shackleton – Rezension

    Mondbasis Shackleton – Rezension

    Mondbasis Shackleton ist der absolute Knaller dieser Runde am Teddytisch. Ihr baut hier gemeinsam mit anderen Raumfahrtagenturen eine permanente Mondbasis im Shackleton-Krater am Südpol des Mondes auf – thematisch eng an reale Konzepte der Mondforschung angelehnt. Entwickelt wurde es von Fabio Lopiano und Nestore Mangone, zwei Designern, die bereits für mehrere richtig gute Spiele bekannt sind, und ich muss sagen: Auch hier haben sie wieder ins Schwarze getroffen.

    8,5/10
    WERTUNG
    Mondbasis Shackleton – Szenenbild aus dem Brettspiel-Teddy-Video

    Steckbrief

    • Spieler: 1–4
    • Alter: ab 14 Jahren
    • Dauer: 60–120 Minuten
    • Mechanismus: Worker-Placement, Engine-Building
    • Thema: Mondkolonie

    Die Shuttlephase: Reihenfolge und Ressourcen in einem

    Jede Runde beginnt mit der Shuttlephase. Hier liegen nummerierte Raketenplättchen aus – immer eines mehr, als Personen mitspielen. In umgekehrter Spielerreihenfolge sucht sich jede Person eine Rakete aus: Wer in der Vorrunde zuletzt an der Reihe war, darf zuerst wählen. Die Nummer auf der gewählten Rakete bestimmt gleichzeitig die neue Startspielerreihenfolge für die nächste Runde. Der Rest der Ladung besteht aus Astronauten in drei Farben – Gelb, Rot und Blau – wobei höher nummerierte Raketen bessere Astronauten-Kombinationen bringen, ihr dafür aber später in der Zugreihenfolge dran seid. Ein klassisches Draft-Dilemma mit echtem Biss.

    Farbabhängige Aktionen und cleveres Bauen

    Insgesamt habt ihr über drei Runden 18 Züge, in denen ihr eure Astronauten einsetzt. Die Farbe des jeweiligen Astronauten entscheidet dabei über die Aktion: Setzt ihr einen roten Astronauten ein, aktiviert ihr eine ganze Reihe roter Felder auf dem Spielplan – aber nur dort, wo bereits Gebäude stehen. Gelb und Blau funktionieren nach demselben Prinzip mit ihren jeweiligen Feldfarben. Beim Bauen selbst dürft ihr in jedem Bereich nur einmal ein Gebäude errichten, und die Kosten hängen davon ab, wie früh oder spät ihr in der Zugreihenfolge dran seid – wer zuletzt baut, zahlt drauf. Wichtig: Ihr dürft grundsätzlich nur dort bauen, wo bereits eine Solarzelle liegt, und jede neu gebaute Solarzelle erhöht euren gemeinsamen Energiewert, den sich alle Spielenden teilen und den ihr im Blick behalten müsst.

    Neun Konzerne mit völlig unterschiedlichen Zielen

    Ein besonderes Highlight sind die insgesamt acht bis neun Konzerne, die in jeder Partie mitspielen. Jeder Konzern hat eigene Karten und völlig unterschiedliche Voraussetzungen, um Punkte zu generieren – ein Weltraumtourismus-Konzern etwa belohnt euch für das Sammeln von Touristen, ein anderer verlangt Grünpflanzen. Dadurch spielt sich jede Partie spürbar unterschiedlich, je nachdem, welche Konzerne gerade im Spiel sind. Über eine eigene Ansehensleiste könnt ihr zudem verschiedene Konzernaktionen kombinieren und euch dabei bessere Belohnungen freischalten, je weiter euer Marker voranschreitet.

    Hintergrund: Von Sorry We Are French zu Giant Roc

    Mondbasis Shackleton stammt von Fabio Lopiano und Nestore Mangone, illustriert von David Sitbon. Die englische Erstausgabe erschien 2024 unter dem Titel „Shackleton Base: A Journey to the Moon“ bei Hachette Boardgames UK in Kooperation mit Sorry We Are French, die deutsche Ausgabe folgte Ende 2025 beim Verlag Giant Roc. Fabio Lopiano gehört zu den gefragtesten Euro-Spiele-Designern der letzten Jahre, und Mondbasis Shackleton zeigt erneut seine Stärke, mehrere unabhängige Systeme zu einem stimmigen Ganzen zu verzahnen.

    Häufige Fragen (FAQ) zu Mondbasis Shackleton

    Für wie viele Spieler ist Mondbasis Shackleton geeignet?

    Mondbasis Shackleton ist für 1–4 Spieler ausgelegt.

    Ab welchem Alter ist Mondbasis Shackleton geeignet?

    Mondbasis Shackleton ist ab 14 Jahren geeignet.

    Wie lange dauert eine Partie Mondbasis Shackleton?

    Eine Partie Mondbasis Shackleton dauert 60–120 Minuten.

    Welche Spielmechanismen nutzt Mondbasis Shackleton?

    Mondbasis Shackleton setzt auf Worker-Placement, Engine-Building.

    Wie bewertet Brettspiel Teddy Mondbasis Shackleton?

    Brettspiel Teddy bewertet Mondbasis Shackleton mit 8.5/10 Punkten.

    Mein Fazit

    Mondbasis Shackleton hat mir richtig, richtig gut gefallen. Ich habe es bislang zu zweit und zu viert gespielt, und beide Partien liefen prima – wobei mir die Vierer-Partie sogar noch besser gefallen hat, weil dann um die begehrten Raketen und Konzernkarten noch mehr Konkurrenz herrscht. Die enge thematische Verzahnung mit echten Mondforschungskonzepten, die unterschiedlichen Konzerne und das kluge Zusammenspiel aus Shuttlephase, Bauen und Konzernaktionen machen dieses Spiel zu einem echten Highlight für Expertenspiel-Fans.

    Wer komplexe, gut durchdachte Euro-Spiele mit hohem Wiederspielwert durch variable Konzernkombinationen liebt, sollte sich Mondbasis Shackleton definitiv genauer anschauen. Für mich klar eines der stärksten neuen Spiele dieser Runde.

    Pro & Contra

    Pro

    • Enorme Verzahnung aus Shuttlephase, Bauen und Konzernaktionen
    • Wechselnde Konzerne sorgen für hohen Wiederspielwert
    • Stimmiges, gut recherchiertes Mondforschungs-Thema
    • Funktioniert sowohl zu zweit als auch in größeren Runden hervorragend

    Contra

    • Mit 60-120 Minuten und hoher Komplexität nichts für Gelegenheitsspieler:innen
    • Geteilter Energiewert erfordert gutes Timing und kann von Mitspielenden „leergefischt“ werden

    Werbung: Mondbasis Shackleton kaufen – wenn du darüber bestellst, unterstützt du den Kanal ohne Mehrkosten für dich:

  • 7,5/10
    Vasco da Gama – Rezension

    Vasco da Gama – Rezension

    Vasco da Gama ist ein echter Klassiker: Ein Eurogame aus dem Jahr 2009 von Paolo Mori, das uns in die Zeit der großen portugiesischen Entdecker versetzt. Wir heuern Besatzungen an, rüsten Schiffe aus und entsenden sie auf weite Reisen, um Prestigepunkte zu sammeln. Erschienen ist es beim Verlag What’s Your Game?, und auch über ein Jahrzehnt nach Veröffentlichung taucht es immer wieder in Bestenlisten für clevere Auktionsmechanismen auf. Ich wollte wissen: Wie gut ist dieses Spiel eigentlich gealtert, und hält es sich neben den modernen Eurogames von heute noch wacker?

    7,5/10
    WERTUNG
    Vasco da Gama – Szenenbild aus dem Brettspiel-Teddy-Video

    Steckbrief

    • Spieler: 2–4
    • Dauer: 60–120 Minuten
    • Mechanismus: Auktion/Timing-Worker-Placement
    • Thema: Entdeckerzeit / Handelsrouten

    Der Auktionsmechanismus: Zeit ist die knappste Ressource

    Das Herzstück von Vasco da Gama ist ein ungewöhnliches Auktionssystem für eure Aktionen. Statt mit Geld zu bieten, bietet ihr mit Zeit: Jede Aktion hat einen Zeitwert, und wer eine Aktion zuerst beansprucht, zahlt weniger Zeit dafür als jemand, der später einsteigt. Am Ende der Runde bestimmt eure verbrauchte Zeit die Zugreihenfolge in der nächsten Runde – wer schnell und effizient gehandelt hat, darf früher wählen, wer getrödelt hat, muss hinten anstehen und bekommt oft nur noch die Reste.

    Dieses Prinzip erzeugt einen wunderbaren Sog: Ihr wollt einerseits möglichst viele wichtige Aktionen ergattern, gleichzeitig aber nicht so viel Zeit verbrauchen, dass ihr in der nächsten Runde komplett ins Hintertreffen geratet. Das richtige Timing – wann greife ich zu, wann lasse ich eine Aktion bewusst den Mitspieler:innen – ist die zentrale strategische Frage des gesamten Spiels.

    Hinzu kommt ein cleveres Finanzmanagement: Eure Barschaft ist meist knapp, und ihr müsst genau kalkulieren, wie viele Matrosen ihr anheuert, welche Schiffsausrüstung ihr euch leisten könnt und wann sich eine teure Investition wirklich auszahlt. Wer sein Geld zu freizügig ausgibt, steht schnell ohne Handlungsspielraum da, während zu große Vorsicht wertvolle Gelegenheiten verstreichen lässt.

    Vom Kai bis zur großen Fahrt: Schiffe ausrüsten und entsenden

    Bevor ihr eine Expedition entsenden könnt, müsst ihr eure Schiffe erst seetüchtig machen: Besatzung anheuern, Proviant und Ausrüstung einladen, vielleicht sogar hochrangige Persönlichkeiten an Bord holen, die euch zusätzliche Boni gewähren. Jede dieser Vorbereitungen kostet Aktionen und Ressourcen, sodass ihr eure gesamte Rundenplanung genau darauf abstimmen müsst, wann eure Schiffe endlich bereit für die große Fahrt sind.

    Sind eure Schiffe ausgestattet, schickt ihr sie auf Reisen entlang der Handelsrouten – vorbei an Handelsposten, exotischen Häfen und gefährlichen Gewässern. Jede erfolgreich abgeschlossene Reise bringt Prestigepunkte, wobei die genaue Route, die Ausstattung eurer Crew und eventuell erworbene Persönlichkeitskarten darüber entscheiden, wie ertragreich eine Expedition am Ende ausfällt.

    Hintergrund: Ein Auktionsspiel, das seiner Zeit voraus war

    Entwickelt hat Vasco da Gama der italienische Autor Paolo Mori, veröffentlicht wurde es 2009 beim kleinen, aber feinen Verlag What’s Your Game?. In einer Ära, in der Worker-Placement-Spiele gerade ihren großen Boom erlebten, stach Vasco da Gama durch seinen ungewöhnlichen Zeit-Auktionsmechanismus deutlich aus der Masse heraus – ein Kniff, der bis heute nur selten kopiert wurde, obwohl er sich als erstaunlich elegant erwiesen hat.

    Interessant ist, wie sehr das Spiel den Nerv der damaligen Zeit getroffen hat: Es erschien mitten in der großen Ära der Eurogame-Klassiker rund um 2008 bis 2010, in der Titel wie Le Havre oder Agricola das Genre prägten. Vasco da Gama hat sich in dieser starken Konkurrenz nie ganz so einen Namen gemacht wie die ganz großen Hits jener Jahre, gilt unter Kenner:innen des Genres aber bis heute als echter Geheimtipp, gerade wegen seines innovativen Kernmechanismus.

    Häufige Fragen (FAQ) zu Vasco da Gama

    Für wie viele Spieler ist Vasco da Gama geeignet?

    Vasco da Gama ist für 2–4 Spieler ausgelegt.

    Wie lange dauert eine Partie Vasco da Gama?

    Eine Partie Vasco da Gama dauert 60–120 Minuten.

    Welche Spielmechanismen nutzt Vasco da Gama?

    Vasco da Gama setzt auf Auktion/Timing-Worker-Placement.

    Wie bewertet Brettspiel Teddy Vasco da Gama?

    Brettspiel Teddy bewertet Vasco da Gama mit 7.5/10 Punkten.

    Mein Fazit

    Wie gut ist Vasco da Gama gealtert? Erstaunlich gut, muss ich sagen. Der Zeit-als-Gebot-Mechanismus fühlt sich auch heute noch frisch und clever an, weil er eine Art von Spannung erzeugt, die viele moderne Worker-Placement-Spiele so nicht bieten: Ihr wettbewerbt nicht nur um Ressourcen, sondern explizit um Reihenfolge und Tempo. Das erzeugt ständigen Entscheidungsdruck, ohne dass das Spiel dabei überladen wirkt.

    Was mir besonders gefällt: Trotz seines Alters von über 15 Jahren fühlt sich Vasco da Gama nicht angestaubt an. Die Iconografie ist klar, der Rundenablauf straff, und die Downtime bleibt dank des Zeit-Systems angenehm gering, weil man immer schon die nächste Runde mitplant, während andere noch am Zug sind. Für Fans von cleveren Auktions- und Timing-Mechanismen ist das nach wie vor ein echtes Highlight, das sich locker mit aktuellen Neuerscheinungen messen kann.

    Wer Eurogames mit historischem Flair und einem ungewöhnlichen, aber tief durchdachten Kernmechanismus sucht, sollte Vasco da Gama definitiv eine Chance geben – ob als Wiederentdeckung für Vielspieler:innen oder als lohnenswerter Erstkontakt für alle, die den Titel bisher verpasst haben.

    Pro & Contra

    Pro

    • Cleveres, einzigartiges Zeit-als-Gebot-System
    • Geringe Downtime dank ständiger Vorausplanung
    • Auch nach über 15 Jahren noch überraschend frisch
    • Thematisch stimmig mit stringenter Umsetzung

    Contra

    • Knappes Finanzmanagement kann Einsteiger:innen überfordern
    • Etwas trockene Präsentation im Vergleich zu modernen Titeln

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