Inferno von Red Mojo Games ist ein echtes Highlight aus meinem diesjährigen Spielejahr: ein Spiel ab 14 Jahren für 1 bis 4 Spieler mit einer Spielzeit von etwa 120 Minuten. Entwickelt hat es Fernando Eduardo Sánchez, das Artwork stammt von David Benzal und Cristian Casado Otazu. Ursprünglich aus Spanien stammend, erschien es 2024 und hat mich sofort mit seinem düster-faszinierenden Thema gepackt: Wir schicken Seelen in die Unterwelt – inspiriert von Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“.

Steckbrief
- Spieler: 1–4
- Alter: ab 14 Jahren
- Dauer: ca. 120 Minuten
- Mechanismus: Worker-Placement, Ressourcenmanagement
- Thema: Dantes Inferno, Seelenmanagement
Die neun Höllenkreise: Wo Farbe und Bewegung alles entscheiden
Der Spielplan zeigt unten die Unterwelt mit mehreren konzentrischen Kreisen, die die neun Höllenkreise aus Dantes Werk symbolisieren. Jeder Kreis hat eine bestimmte Farbe, die zu farblich passenden Seelen korrespondiert, die wir in die Unterwelt hinabschicken können. Jede Position auf den Kreisen bietet Aktionsfelder, die wir durch das gezielte Bewegen unserer Seelen aktivieren. Über der Erde, also in Florenz zur Zeit Dantes, gibt es dagegen nur acht Aktionen, aufgeteilt auf vier verschiedene Aktionsfelder – wobei immer zwei Aktionen zu einem gemeinsamen Symbol gehören.
Das Bewegen der Seelen bildet das Herzstück des Spiels. Pro Zug dürft ihr eine Seele genau einen Schritt von einem Kreis zum nächsten bewegen. Steht eine andere Seele im Weg, könnt ihr sie einfach überspringen. Landet eure Seele in einem farblich passenden Kreis, legt ihr sie dort endgültig ab und erhaltet die am Feldrand angegebenen Punkte. Es gilt also, geschickt vorauszuplanen, welche Seele wohin geschickt wird – und wann sich ein Umweg lohnt, um am Ende in den richtigen Kreis zu gelangen.
Woher bekommt ihr überhaupt neue Seelen? Frische Seelen kommen vom Friedhof, wofür ihr den „Fährmann des Todes“ mit der Ressource Drachme bezahlen müsst. Grundsätzlich gilt: Alle Aktionen unter der Erde kosten Drachme, während Aktionen über der Erde in Florenz mit Florin bezahlt werden – zwei strikt getrennte Wirtschaftskreisläufe, die ihr parallel im Blick behalten müsst.
Florenz: Sünden, Familie und der Turm als Herzstück
Die Aktionen in Florenz drehen sich um Sünden und euer Familienleben. Ihr könnt Straßenstände eröffnen, Fässer vom Markt stehlen (was ausschließlich Kinder dürfen), Familienmitglieder für Aktionen einsetzen und neue Kinder bekommen, die euch als zusätzliche Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Kinder dürfen manche Aktionen sogar kostenlos ausführen, während Erwachsene dafür bezahlen müssen – ein charmanter, thematisch stimmiger Kniff.
Ein zentraler Baustein ist der Turm auf eurem Spielertableau, den ihr im Spielverlauf ausbauen könnt. Der Turm bietet Lagerplätze für Gäste und Fässer. Fässer in vier verschiedenen Farben lassen sich am Markt stehlen und für besonders starke Aktionen einsetzen. Gäste im Turm sind ebenfalls essenziell, denn ohne einen passenden Gast in der richtigen Farbe könnt ihr keine Beschuldigungen aussprechen.
Was bedeutet „Beschuldigen“? An bestimmten Orten in Florenz, die jeweils eine der Todsünden symbolisieren, könnt ihr andere Charaktere beschuldigen – vorausgesetzt, ihr habt zuvor einen Arbeiter auf das entsprechende Feld gesetzt und den passenden Gast im Turm untergebracht. Beschuldigungen bringen euch Fortschritt auf speziellen Farbleisten, die wiederum mächtige Aktionen und wertvolle Punkte freischalten. Gleichzeitig müsst ihr das beschuldigende Familienmitglied schützen, indem ihr es im Turm unterbringt – habt ihr dort keinen Platz mehr frei, bleibt euch nur eine deutlich schwächere Notaktion.
Dante rückt vor: Der Countdown zum Spielende
Immer wenn ein:e Spieler:in passt oder eine Beschuldigung ausspricht, rückt die Figur Dantes auf einem eigenen Track ein Feld vor. Sobald Dante das Ende seines Weges erreicht, endet die Partie sofort. An bestimmten Feldern auf Dantes Weg werden zusätzlich einzelne Farbreihen zwischengewertet: Wer zu diesem Zeitpunkt auf der entsprechenden Leiste am weitesten vorne steht, erhält ein Zertifikat, das am Spielende als Multiplikator für die entsprechenden Punkte zählt. Es gibt außerdem halbe Zertifikate, die sich zu vollen kombinieren lassen – eine zusätzliche strategische Ebene für alle, die auf mehreren Farben gleichzeitig mitmischen wollen.
Dieser Dante-Track sorgt für ein spürbares, stetig wachsendes Zeitgefühl: Jede Beschuldigung, jedes Passen bringt das unvermeidliche Ende näher, und ihr müsst genau kalkulieren, ob ihr noch eine weitere Investition wagt oder lieber schon auf den Abschluss eurer laufenden Pläne hinarbeitet.
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Häufige Fragen (FAQ) zu Inferno
Für wie viele Spieler ist Inferno geeignet?
Inferno ist für 1–4 Spieler ausgelegt.
Ab welchem Alter ist Inferno geeignet?
Inferno ist ab 14 Jahren geeignet.
Wie lange dauert eine Partie Inferno?
Eine Partie Inferno dauert ca. 120 Minuten.
Welche Spielmechanismen nutzt Inferno?
Inferno setzt auf Worker-Placement, Ressourcenmanagement.
Wie bewertet Brettspiel Teddy Inferno?
Brettspiel Teddy bewertet Inferno mit 9/10 Punkten.
Mein Fazit
Inferno ist für mich ein tiefgründiges und thematisch außergewöhnlich starkes Spiel mit einem einzigartigen Seelenmanagement-Mechanismus, wie ich ihn so noch in keinem anderen Titel gesehen habe. Die Kombination aus strikt getrenntem Ressourcenmanagement, Familienplanung über mehrere Generationen und taktischem Platzieren der Seelen macht Inferno für mich zu einem der besten Spiele, die ich dieses Jahr gespielt habe.
Es ist zweifellos komplex – mit einer Spielzeit von rund 120 Minuten und vielen ineinandergreifenden Subsystemen ist das definitiv kein Spiel für einen kurzen Spieleabend zwischendurch. Aber genau diese Komplexität zahlt sich aus: Jede Entscheidung fühlt sich bedeutsam an, und das morbid-faszinierende Thema wird nicht nur aufgesetzt, sondern durchdringt tatsächlich jeden Mechanismus des Spiels, von der Seelenfarbe bis zur Familienplanung.
Für Kenner:innen und Vielspieler:innen, die sich auf ein anspruchsvolles, thematisch einzigartiges Erlebnis einlassen wollen, ist Inferno absolut empfehlenswert. Gelegenheitsspieler:innen sollten sich dagegen der hohen Einstiegshürde bewusst sein – dieses Spiel will erlernt und mehrfach gespielt werden, um sein volles Potenzial zu entfalten.
Pro & Contra
Pro
- Einzigartiges, düsteres Thema stark umgesetzt
- Tiefes Ressourcen- und Familienmanagement
- Hoher Wiederspielwert für Kenner:innen
- Dante-Track sorgt für spürbaren Spannungsbogen
Contra
- Lange Spielzeit (ca. 120 Minuten)
- Hohe Einstiegshürde für Gelegenheitsspieler:innen
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