Keyside – Rezension

Spielschachtel-Cover von Keyside

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Dann kommt das Schwergewicht dieser Runde: Keyside, im Vertrieb bei Huch und ursprünglich von R&D Games. Es ist mein erstes Spiel aus der Keyserie und nach dieser Partie frage ich mich ehrlich, warum mir niemand früher gesagt hat, wie gut das sein kann.

8,5/10
WERTUNG
Keyside Rezension Bildschirmfoto

Steckbrief

  • Spieler: 1–4
  • Mechanismus: Würfelmanipulation & Arbeitereinsatz (Kennerspiel)
  • Thema: Hafenhandel in der Key-Serie

Keyside ist für zwei bis vier Personen, ab 14 Jahren, und liegt bei einer Spielzeit von etwa 90 bis 120 Minuten. Auf BoardGameGeek wird die Komplexität mit über 4,0 angegeben. Das klingt beim ersten Blick auf die Regel erst einmal nach einer ordentlichen Ansage. Und ja, die Zusammenhänge muss man sich erarbeiten. Aber genau hier liegt die angenehme Überraschung: Die einzelnen Aktionen sind gar nicht so kompliziert, und der Spielfluss fühlt sich deutlich zugänglicher an, als die Komplexitätszahl vermuten lässt.

Keyside-Spielertableau mit farbigen Leisten, Ressourcen und Würfeln
Auf den farbigen Leisten warten starke Boni, die jede Aktionsentscheidung spannend machen.

Würfel bewegen Boote, aber die Farben entscheiden mit

Keyside verbindet Würfelmanagement mit Worker Placement. In jeder Runde setzen wir Würfel ein, um Boote über den Spielplan zu bewegen. Die Würfel existieren in sechs Farben, und diese Farben sind keine reine Deko.

In den Booten sitzen farbige Meeples. Wollen wir beispielsweise einen roten Würfel verwenden, dürfen wir nur ein Boot bewegen, in dem auch ein roter Meeple sitzt. Die Augenzahl des Würfels bestimmt wiederum, wie weit das Boot fahren darf. Das Boot hält an einem Hafen, und dort lösen wir die jeweilige Aktion aus.

So sammeln wir Ressourcen, errichten Zwischenhäfen für Boni und bauen Gebäude auf unserem eigenen Spielertableau. Manche Gebäude bringen direkte Vorteile, andere sorgen in der Endwertung für Punkte. Ein Gebäude kann uns zum Beispiel für jedes gesammelte Schaf Siegpunkte geben. Auch Schafe zu sammeln, ist also ein möglicher Baustein unserer Strategie.

Besonders wichtig sind die eigenen Arbeiter, die hier ganz stilecht Keepel heißen. Wir müssen sie zunächst auf den Spielplan bringen, um sie später in Häfen für die Endwertung einsetzen zu können. Schon daran merken wir: Alles greift ineinander. Ressourcen, Boote, Würfel, Gebäude, Zwischenhäfen, Keepel und die Wertung wollen zusammen gedacht werden.

Der Folgemechanismus ist der Geniestreich

Der absolute Knaller in Keyside ist für mich der Folgemechanismus. Führt eine Person eine Aktion aus, können sich die anderen anschließen, wenn sie einen Würfel derselben Farbe besitzen, dessen Augenzahl gleich hoch oder niedriger ist.

Das klingt zunächst wie ein netter Mitnahmeeffekt. In Wahrheit steckt hier aber eine herrliche Zwickmühle drin: Wir können einer guten Aktion folgen und dadurch ebenfalls profitieren. Allerdings darf nur die aktive Person auf der passenden Farbleiste voranschreiten. Auf diesen Leisten gibt es starke Boni, die wir natürlich ebenfalls haben wollen.

Bei vielen Zügen stehen wir also vor genau der richtigen Frage: Hängen wir uns an die Aktion dran und nehmen den sofortigen Vorteil mit, oder verzichten wir bewusst darauf, um selbst später eine Aktion auszulösen und den wichtigen Leistenaufstieg zu bekommen? Solche Entscheidungen lieben wir in Eurogames. Sie sind nachvollziehbar, aber nie belanglos.

Keyside-Auslage mit Gebäudekarten, Buchstabenfeldern und farbigen Markern
Gebäude, Zwischenhäfen und Boni verknüpfen sich zu einem angenehm verzahnten Gesamtpuzzle.

Punktesalat im besten Sinne

Keyside ist ein Punktesalat, aber einer von der guten Sorte. Wir können auf viele Arten Punkte machen und es gibt nicht den einen zwingenden Weg zum Sieg. Wir können uns auf Gebäude konzentrieren, Ressourcen für Wertungen sammeln, Zwischenhäfen clever nutzen, die Leisten verbessern oder unsere Keepel für die Schlusswertung gut positionieren.

Genau dadurch entstehen unterschiedliche Partien und verschiedene Strategien. Wir entdecken nach und nach Kombos und merken, wie eine Entscheidung auf dem eigenen Tableau spätere Möglichkeiten auf dem Hauptplan freischaltet. Diese Verzahnung ist richtig gut gelungen.

Die Einstiegshürde ist real, aber kein Grund zur Abschreckung

Natürlich hat Keyside auch eine Hürde: Die Aktionen einzeln zu verstehen, ist nicht das Problem. Anspruchsvoll ist vielmehr, zu durchschauen, wie alles zusammenhängt. Wenn wir diese Aktion machen, schalten wir dort etwas frei, steigen auf einer Leiste auf und können anschließend eine weitere Wertung oder Fähigkeit besser nutzen. Das erfordert Gehirnschmalz.

Wer aber verzahnte Mechanismen, Würfelmanagement und das Entdecken starker Kombinationen mag, sollte sich davon nicht abschrecken lassen. Nach den ersten Runden trägt sich das Spiel erstaunlich flüssig.

Mein Fazit

Unser Fazit zu Keyside: Ein fantastisches Eurogame und für mich das absolute Highlight dieser Runde. Wer ein anspruchsvolles, aber nicht sperriges Spiel sucht, sollte Keyside bei Spiele-Offensive unbedingt mal näher anschauen.

Pro & Contra

Pro

  • Würfelmanipulation und Bootsbewegung verzahnen sich clever mit dem Folgemechanismus
  • Enorme taktische Tiefe für Vielspieler:innen
  • Vielfältige Punktequellen sorgen für unterschiedliche Strategien
  • Aus der bekannten Key-Serie von Richard Breese, jetzt mit Dávid Turczi weiterentwickelt

Contra

  • Reale Einstiegshürde – das Regelwerk braucht etwas Eingewöhnung
  • Mit 90–120 Minuten kein Spiel für zwischendurch
  • Für Gelegenheitsspieler:innen eher ungeeignet, klares Kennerspiel

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