Das Spiel Hamburg ist eine Neuauflage von Stefan Felds Brügge, veröffentlicht bei Queen Games mit neuen Modulen und Erweiterungen. Ich konnte das Spiel aus einem umfangreichen Queen-Games-Kickstarter-Paket testen, das ich mir vor einiger Zeit gesichert hatte, und war positiv überrascht. Brügge war schon lange auf meiner Liste, und dass es jetzt als Hamburg mit deutlich besserem Material und ein paar frischen Erweiterungen zurückkehrt, hat mich besonders neugierig gemacht.

Steckbrief
- Spieler: 1–4
- Alter: ab 14 Jahren
- Dauer: 60–90 Minuten
- Mechanismus: Würfel- und Karten-Eurogame
- Thema: Hamburg, Gefahren-Tableau
Würfel bestimmen Aktionen, Gefahren lauern auf dem Tableau
Hamburg richtet sich an 1 bis 4 Spieler:innen ab 14 Jahren mit einer Spielzeit von 60 bis 90 Minuten – wobei ich sagen muss, dass ihr für die unteren 60 Minuten schon recht zügig spielen müsst. Die Mechanik basiert grundlegend auf Würfeln, die zu Beginn jeder Runde geworfen werden und bestimmen, welche Aktionen euch zur Verfügung stehen. Gleichzeitig habt ihr auf eurem persönlichen Tableau verschiedene Gefahren wie Hochwasser oder Krankheiten, die durch bestimmte gewürfelte Farben ansteigen. Erreichen drei eurer Gefahrenmarker eine kritische Schwelle, passiert etwas Unangenehmes – ihr verliert schlagartig euer gesamtes Geld, Arbeiter:innen oder andere wichtige Ressourcen.
Nach dem Würfeln wird zusätzlich geschaut, wie viele Einsen und Zweien gefallen sind, denn damit könnt ihr auf dem Rathausplatz vorrücken. Liegt zum Beispiel eine Eins und eine Zwei, kostet das Vorrücken drei Geld. Zwei Einsen kosten nur zwei Geld, und eine einzelne Eins kostet gerade einmal ein Geld. Für das Vorrücken auf dem Rathausplatz erhaltet ihr am Ende wertvolle Punkte – ein cleines, aber feines Nebensystem, das ständig im Hintergrund mitläuft.
Fünf Kartenfarben, unzählige Kombinationsmöglichkeiten
Der eigentliche Kern des Spiels sind aber die Karten, von denen es wirklich enorm viele gibt. Diese Karten lassen sich bauen und geben euch dann sofort Boni in einer bestimmten Spielphase oder bringen euch Punkte für die Endwertung. Die Karten sind in fünf Farben unterteilt – lila, orange, grau, pink und braun –, und zu Beginn eures Zuges dürft ihr euch immer fünf Karten aus den verschiedenen Bereichen zusammensuchen.
Jede Kartenfarbe korrespondiert mit unterschiedlichen Aktionsmöglichkeiten. Ihr könnt zum Beispiel so viel Geld nehmen, wie der zugehörige Würfel anzeigt – zeigt der braune Würfel etwa fünf an, könnt ihr eine braune Karte abwerfen und euch fünf Geld sichern. Bei einem grauen Würfel mit nur einem Geld-Wert würde sich dieser Tausch dagegen kaum lohnen. Ihr könnt die Karten aber auch tatsächlich bauen: Dafür müsst ihr zunächst eine beliebige Karte verdeckt als Baugrundstück auslegen – die Farbe spielt dabei keine Rolle –, bevor ihr entscheidet, welche Farbe ihr darauf tatsächlich errichtet. Das ist wichtig, weil manche eurer Karten euch zusätzliche Punkte für bestimmte Gebäudefarben einbringen.
Zusätzlich gibt es verschiedenfarbige Arbeiter-Männchen, mit denen ihr bestimmte Aktionen bezahlen müsst – nicht nur mit Geld, sondern eben auch mit passenden Arbeitskräften. Wollt ihr also zum Beispiel drei pinke Männchen erhalten, müsst ihr eine pinke Karte abwerfen. Das ganze System zwingt euch, ständig abzuwägen: Nehme ich Karten für den Sofortbonus, für die langfristige Engine oder für die Endwertung?
Die Stadtmauer: Ein Wettlauf um Prestige
Ein besonders spannendes Zusatzelement ist der Bau einer Stadtmauer. Wer als Erste:r einen bestimmten Bereich der Mauer – unterteilt nach Farben wie braun oder grau – fertigstellt, muss dafür passende Karten abwerfen und erhält im Gegenzug eine Statue, die am Spielende zusätzliches Geld einbringt. Dieser Wettlauf um die Mauerabschnitte sorgt für eine zusätzliche kompetitive Ebene, die über das reine Punktesammeln hinausgeht.
Natürlich lebt Hamburg auch ein Stück weit vom Würfelglück: Habt ihr gerade graue oder pinke Karten in der Hand und würfelt eine niedrige Zahl, bekommt ihr in dieser Runde entsprechend wenig Geld. Ihr wisst vorher nie genau, wie die Würfel fallen und welche Karten ihr am Ende wirklich braucht. Trotzdem lässt sich vieles vorausplanen: Welches Gebäude möchte ich als Nächstes bauen, welche Farbe brauche ich für die Stadtmauer? Diese Mischung aus Würfelglück und langfristiger Planung fand ich überraschend gut ausbalanciert.
Hintergrund: Ein Stefan-Feld-Klassiker kehrt zurück
Stefan Feld gehört zu den produktivsten und bekanntesten deutschen Spieleautoren überhaupt, bekannt für vielschichtige Eurogames mit mehreren ineinandergreifenden Punktequellen – ein Stil, den Fans liebevoll „Feldsches Punktesalat“ nennen. Brügge, das Ursprungsspiel hinter Hamburg, erschien ursprünglich vor mehr als einem Jahrzehnt und gilt bis heute als einer seiner zugänglicheren, aber trotzdem tiefen Titel. Dass Queen Games sich nun entschieden hat, das Spiel als Hamburg mit neuem Thema, verbessertem Material und zusätzlichen Modulen neu aufzulegen, zeigt, wie zeitlos gute Spielmechanik sein kann.
Die Umbenennung von Brügge zu Hamburg ist dabei mehr als nur ein Etikettenwechsel: Die neuen Illustrationen zeigen tatsächlich Hamburger Wahrzeichen und Gebäude statt der ursprünglichen belgischen Kulisse, was dem Spiel für deutschsprachige Spielrunden eine zusätzliche, sehr direkte thematische Nähe verleiht. Wer das Original Brügge kennt, wird bei Hamburg sofort ein vertrautes, aber optisch runderneuertes Erlebnis vorfinden.
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Häufige Fragen (FAQ) zu Hamburg
Für wie viele Spieler ist Hamburg geeignet?
Hamburg ist für 1–4 Spieler ausgelegt.
Ab welchem Alter ist Hamburg geeignet?
Hamburg ist ab 14 Jahren geeignet.
Wie lange dauert eine Partie Hamburg?
Eine Partie Hamburg dauert 60–90 Minuten.
Welche Spielmechanismen nutzt Hamburg?
Hamburg setzt auf Würfel- und Karten-Eurogame.
Wie bewertet Brettspiel Teddy Hamburg?
Brettspiel Teddy bewertet Hamburg mit 8/10 Punkten.
Mein Fazit
Hamburg hat mir wirklich gut gefallen. Klar, Brügge ist inzwischen schon einige Jahre alt, und an der ein oder anderen Ecke merkt man, dass man manche Mechaniken heute wahrscheinlich anders lösen würde. Aber grundsätzlich macht es noch immer richtig Spaß und ist in meinen Augen sogar besser als so manches Spiel, das aktuell neu erscheint. Das deutlich hochwertigere Material im Vergleich zum alten Brügge – mit wunderschön illustrierten Hamburg-Gebäuden statt der alten Brügge-Motive – tut sein Übriges, um das Spiel frisch wirken zu lassen.
Hamburg bringt mit tollem Material und durchdachten Mechaniken frischen Wind in ein bekanntes Eurogame-Genre. Es ist spürbar komplexer und länger als beispielsweise Pirates of Maracaibo Evo, aber für Liebhaber:innen strategischer Würfel- und Kartenspiele mit einem ordentlichen Schuss Nostalgiefaktor ist es eine klare Empfehlung. Von den vier Spielen, die ich in dieser Runde vorgestellt habe, hat mir Hamburg persönlich sogar am besten gefallen.
Pro & Contra
Pro
- Tolles Material, durchdachte Mechaniken
- Strategische Tiefe trotz Würfelelement
- Frischer Wind fürs Eurogame-Genre dank Stefan-Feld-Klassiker
- Stadtmauer-Wettlauf sorgt für zusätzliche Spannung
Contra
- Komplexer und länger als andere vorgestellte Titel
- Würfelglück spielt weiterhin eine spürbare Rolle

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