Hallo, ich bin Olli von Brettspiel Teddy. In diesem langen Bericht nehme ich euch mit zu den B-Rex Tagen 2025 in der Bischofsburg Liebenau in Merseburg, berichte von meinen Eindrücken, erzähle, welche Neuheiten ich ausprobiert habe, was mich begeistert hat und bei welchen Spielen ich eher zurückhaltend bin. Ich war vor Ort, habe viel gespielt, viele Gespräche geführt und bringe euch hier mein persönliches, ehrliches Fazit – mit genügend Details, dass ihr entscheiden könnt, ob sich ein Kauf oder ein Probespiel lohnt.
🎲 Ankunft, Location und erste Eindrücke
Los ging’s für mich am ersten September-Wochenende — dieses Wochenende gehört seit Jahren fest den B-Rex Tagen. Wie immer: tolle Location, viele Verlage der Spieloffensive versammelt, bekannte und neue Gesichter. Ich bin im TETT-Mobil unterwegs gewesen, mit einer kleinen Zwischenübernachtung, und kam am ARC Hotel an, das ich von früheren Besuchen kenne. Die Bischofsburg Liebenau als Veranstaltungsort ist nach wie vor ein Erlebnis: historisches Ambiente, mehrere Räume mit Ausstellungs- und Spieltischen und ein schöner Innenhof, der zum Verweilen einlädt.

Was mir sofort auffiel: die Mischung aus etablierten Titeln und echten Neuheiten. Große Verlage wie Giant Walk, Miraculous und viele kleinere Publisher präsentierten Neuheiten und ließen die Besucher direkt an Spielesessions teilnehmen. Man konnte staunen, mitmachen, antesten. Für mich ist so ein Event immer eine Mischung aus „viel zu sehen“ und „zu wenig Zeit“, weil man am liebsten an jedem Tisch sitzen würde.

In den Ausstellungsräumen gab es Highlights wie die neue Nucleum-Erweiterung, Mondbasis Shackleton, die neue Erweiterung zu „Helden müssen draußen bleiben“ (Bosskämpfe, neue Räume) und viele andere Titel – von ernsteren Kennerspielen bis zu spaßigen Familienspielen. Die Atmosphäre war locker, viele Leute trugen T-Shirts der Verlage und die Organisatoren haben wieder eine angenehme Stimmung geschaffen.
🧭 Mein Ablauf: Welche Spiele habe ich wann gespielt?
Ich habe mir vorgenommen, einige Neuheiten anzuspielen und abends meine Eindrücke zu teilen. In diesem Bericht sortiere ich die Spiele nach Tagen und gebe euch zu jedem Spiel: kurze Beschreibung, wie es sich spielt, meine Eindrücke, für wen das Spiel geeignet ist und ob ich mir vorstellen könnte, es zu kaufen oder öfter zu spielen.
- Tag 1 – diverse Neuheiten und Proberunden
- Tag 2 – intensiverer Test einiger Kennerspiele und Familienspiele
- Tag 3 – entspannter Ausklang mit leichteren, lustigen Titeln
Ich werde möglichst detailliert auf die Mechaniken eingehen, ohne komplette Regelwerke nachzuerzählen. Ziel ist, dass ihr am Ende wisst, ob ein Spiel in eure Sammlung passen könnte.
🏛️ Erster Rundgang: Blick auf Aussteller und Neuheiten
Der erste Rundgang ist bei solchen Events immer wichtig: Raum- und Standauswahl sondieren, Listen machen, wo ich unbedingt noch einmal länger spielen will. Ich habe mir Schwerpunkte gesetzt: Spiele, die mich schon vorher interessiert haben (z. B. Fossilium) und solche, von denen ich bisher wenig gehört hatte.

Ein kurzes Schlaglicht auf die Dinge, die ich direkt interessant fand:
- Fossilium – neues Spiel von Julia Thiemann & Christoph Waage (Nachfolger von Alk Inc.) – hat mich sofort angesprochen.
- Tianxia / Neues T-Spiel – appgestützter Familienspaß, der neugierig macht, aber auch polarisieren kann.
- Unfair mit neuen Erweiterungen – für Fans immer wieder ein Garant für chaotischen Freizeitparkspaß.
- Grundstein: Metropolis – das reduzierte Foundations of Rome, jetzt in Pappversion für ein anderes Preisniveau.

Die Bandbreite war groß: leichte Familienspiele, solider Kennerspielstoff und experimentellere Mechaniken. Mir gefiel, dass man bei vielen Ständen direkt Proberunden spielen konnte – ideal, um ein Gespür für Tempo und Tiefe zu bekommen.
📝 Tag 1: Meine gespielten Spiele – Details und Eindrücke
Tag 1 war lang, viele Runden, manchmal spät in der Nacht. Ich traf auf angenehme Mitspieler — besonders erwähnenswert: die Brettspieltester Michaela und Christian, mit denen ich einige Runden gespielt habe. Hier die Berichte der Spiele, die ich an Tag 1 probiert habe.
Minakshi-Tempel – Action Selection trifft Tempelbau
Minakshi-Tempel ist eine interessante Mischung aus Action-Selection und leichterem Worker-Placement. Zentral ist eine Aktionsleiste (auf Karten dargestellt), die von oben nach unten immer stärkere Belohnungen bietet, dafür aber später dran ist. Ihr setzt Figuren auf die Aktionen und erntet Männchen (Meeple), die ihr zum Bauen von Tempeln braucht.
- Mechanik: Worker-Placement mit wechselnder Aktionsleiste.
- Ziel: Tempel aus Karten stapeln, Punkte durch passende Meeple-Farben erzielen.
- Besonderheit: Beschwören-Aktion mit sechseckigen Plättchen, die Mehrheitskontrolle belohnt und Einmaleffekte geben.
Meine Eindrücke: Das Spiel ist engagierend, die visuellen Kartenstapel erinnern an Puzzle-Bau, die Wechsel der Aktionen bringen schöne taktische Tiefe. Wer schnelle Entscheidungen mag, wird hier Spaß haben. Für mich ist es ein tolles Spiel für Spieltage, kein „Muss“-Kauf für die heimische Sammlung, aber jederzeit gern wieder gespielt.

Grundstein von Metropolis – Foundations of Rome in kompakterer Version
Wenn ihr Foundations of Rome kennt, wisst ihr, was euch mit Grundstein von Metropolis erwartet: Städtebau, Grundstückskarten (Buchstaben-Zahlen-Kombinationen), Gebäude, die ihr baut und überbaut, sowie eine Bevölkerungsleiste. Die große Veränderung: statt massiver Plastikteile gibt es Pappe, das Material ist schlanker, mechanisch aber sehr ähnlich.
- Mechanik: Kartenkauf (Grundstückskarten) + Plättchenbau (Gebäude) auf gemeinsamen Plan.
- Ziel: Große zusammenhängende Bereiche kaufen und Gebäude bauen, um Einkommen und Bevölkerung zu optimieren.
- Spielablauf: Drei Jahreszeiten (Runden), in denen Einkommen und Bevölkerungspositionen punkten.
Meine Eindrücke: Für Fans des Originals eine nette, kompaktere Alternative. Das Spiel ist weniger ein „Must-Have“ für jeden, belohnt aber strategische Planung. Besonders das Grundstücks-Kaufmechanik-Element (Karten, die im Markt teurer werden) erzeugt schöne Interaktion: Du kaufst eine Karte, der nächste Spieler muss teurer kaufen. Ich hatte Spaß, aber ich brauche die Luxusversion nicht unbedingt zu Hause.

Sierra – Ein optisch schlichtes, aber taktisch anspruchsvolles Kartenspiel
Sierra ist ein Kartenspiel, in dem ihr Landschaften in Schichten baut: Rot, Grün, Gelb etc. Karten haben zusätzlich Symbole (z. B. Fuchs, Vogel, Wasserfall). Jede Runde zieht ihr Karten, wählt welche und gebt den Rest weiter – und wählt zeitgleich Aufträge, die ihr erfüllt. Am Ende sammelt man viele Aufträge, die unterschiedlichste Anforderungen haben.
- Mechanik: Drafting mit Weitergabe + Karten-Layering (nur gleiche Farben aneinanderlegen).
- Ziel: Auftragkarten erfüllen, die diverse Muster oder Symbolkombinationen verlangen.
- Besonderheit: Am Ende können sich die Anforderungen widersprechen – cleveres Kartenmanagement ist gefragt.
Mein Eindruck: Tolle Idee, aber ein Ärgernis in der Praxis: die Auswertung war deutlich aufwändiger als das Spiel selbst. Wir haben am Ende länger gezählt und geprüft als gespielt. Für manche ist das kein Problem, für mich ist das schon ein K.O.-Kriterium: wenn die Abschlusswertungsphase mehr Zeit frisst als das eigentliche Spiel, verliert ein Titel für mich an Reiz. Idee top, Umsetzung im Handling etwas zu kompliziert.

Skywise – Bieten, Gebiet-Ausbau und Token-Mechanik
Skywise ist ein Biet- und Städtebauspiel mit Beat-Elementen: Jeder hat Gebäude-Karten für Runde 1 und Runde 2, auf denen Zahlen stehen; man bietet auf bestimmte Gebietsflächen und muss eine höhere Zahl spielen als der Vorspieler, um damit zu übernehmen. Es gibt Token mit Buchstaben und Geheimwerten, Gelände-Token (weiß/grün/braun) und eine Mischung aus offenen und verdeckten Informationen.
- Mechanik: Bietrunden + Gebietswertung + Token-Deck mit zufälligen Punktepunkten.
- Ziel: Aufträge erfüllen, Wert von Gebieten durch Tokens erhöhen, Gebäude klug platzieren.
- Besonderheit: Geheimwerte auf Tokens – Spannung, ob man guten oder schlechten Token erwischt.
Meine Eindrücke: Das Spiel funktioniert gut zu viert, die Mischung aus Bieten und Planung macht Spaß. Zu zweit könnte das weniger reizvoll sein, weil der Interaktionsdruck fehlt. Es ist solide, aber kein Kandidat für meine Heimspiel-Sammlung. Empfehlenswert für Leute, die Bietmechaniken mit Stadtplanung mögen.

🍽️ Tag 2: Familiär, appetitlich, und Fossilium als persönlicher Favorit
Tag 2 begann mit einem kleinen Hotel-Drama: ich hatte eine sehr, sehr kurze Nacht, weil direkt über meinem Zimmer morgens gebohrt wurde. Um es kurz zu machen: ich bin umgezogen – aber das gehört zu so einem Wochenende dazu. Danach ging es weiter mit Proberunden. Für Tag 2 hatte ich mir bewusst Zeit für Fossilium genommen – und das war eine sehr gute Entscheidung.
Charcuterie – Puzzle auf dem Brett mit Essensplättchen
Charcuterie ist ein schnelles Familienspiel, bei dem ihr euch Päckchen zusammenstellt (I cut, you choose) und die Spieler müssen die ausgesuchten Lebensmittel geschickt auf ihrem „Vespa-Brett“ platzieren, um Aufgaben zu erfüllen. Die Aufgaben verlangen z. B. bestimmte Kombinationen oder Gruppen von gleichen Dips, Dinge nebeneinander, übereinander oder berührt.
- Mechanik: Drafting (I cut you choose) + Tetris-artiges Puzzle auf dem Tableau.
- Ziel: Aufgaben erfüllen, Platz optimal nutzen, klares Auge fürs Puzzlen.
- Besonderheit: Material ist schön, viele kleine Plättchen (Cracker, Gemüse, Käse usw.).
Mein Eindruck: Nett, hübsch aufgemacht und mit gutem Familienspiel-Faktor. Mir persönlich waren die Begrifflichkeiten und Regeln teilweise etwas fummelig und nicht alles fühlte sich intuitiv an – aber das Material und die Idee sind gelungen. Für gemütliche Familienrunden sicher ein Kandidat, für meine Sammlung nicht zwingend nötig.
Fossilium – Mein Highlight des Wochenendes
Okay, jetzt zu meinem persönlichen Favoriten: Fossilium. Die Autoren Julia Thiemann und Christoph Waage hatten mit Alk Inc. schon einen hitzigen Titel vorgelegt – Fossilium ist kein 1:1 Nachfolger, aber es spürt ähnlich klug ausbalanciert und gleichzeitig federleicht spielbar. Ihr betreut ein Museum, sammelt Fossilien (Wasser-, Land- und Pflanzenfresser), stellt sie aus und versucht, durch geschicktes Layout, Verkäufe und Museumsausbau die meisten Besucher und das beste Profil zu erreichen.

Wichtigste Mechaniken im Überblick:
- Worker Placement: Auf dem zentralen Board stehen Aktionen, die ihr mit Meeples belegt. Jede Aktion ist in vier Stufen verfügbar.
- Puzzle-Mechanik: Fossilien kommen als Plättchen in unterschiedlichen Formen (2er, 4er, 6er) und müssen platzsparend im Museum platziert werden.
- Markt & Säcke: Es gibt drei Säcke für die drei Fossiltypen; ihr könnt gezielt aus Säcken ziehen oder vom Markt kaufen/verkaufen. Preisgestaltung variiert je nach Angebot.
- Zuschauerleiste: Besucher steigen mit der ausgestellten Auslage und bringen Einkommen; in Zwischenwertungen gibt es Dauergäste, die euch langfristig Vorteile sichern.
- Shops und Führung: Dauereffekte und Einmalboni durch Museumsinfrastruktur verändern Strategien.
Warum mir Fossilium so gefallen hat:
- Spielgefühl: Rund, leicht zu erlernen, aber keineswegs flach. Jede Entscheidung hat Konsequenzen.
- Optik und Material: Schöne Plättchen, die sich gut anfühlen und ein angenehmes Puzzle-Erlebnis liefern.
- Wiederspielwert: Variabler Markt, unterschiedliche Museumsziele und Positionierungsentscheidungen sorgen für Abwechslung.
- Tempo: Spiel fließt gut, trotz Kennerspieltiefe wirkt es „gutes Tempo“ und nicht träge.
Mein Fazit: Fossilium ist für mich eines der stärkeren Releases dieses Herbstes. Ich plane definitiv, mir das Spiel zuzulegen. Es trifft eine schöne Balance zwischen Denksport und Spielspaß und ist sowohl optisch als auch mechanisch überzeugend.
Power Vacuum – Stichspiel mit Macht-Tableau
Power Vacuum ist ein Stichspiel mit einer interessanten Meta-Ebene: ihr spielt Stiche, sammelt Karten oder Punkte, und der Verlierer eines Stichs darf am Macht-Tableau (Stromtafel) Verschiebungen vornehmen. Diese Strommarker sind gleichzeitig Punkte und beeinflussen am Ende, welche Farbe am stärksten ist. Es gibt Wetten im Spiel, bei denen ihr sagt, welche Farbe am Ende am stärksten bzw. am schwächsten ist, und ihr erhaltet Bonuspunkte je nach Timing und Korrektheit.
- Mechanik: Stichspiel mit Trumpf, Spionkarten, Kontrolltafel für Machtverschiebungen.
- Ziel: Machtmanipulation so betreiben, dass eure Wette zutrifft und zugleich ihr Punkte durch gesammelte Token erhaltet.
- Besonderheit: Timing der Wette ist taktisch zentral; früh wetten bringt mehr Punkte, ist aber riskanter.
Mein Eindruck: Sehr sauber ausgedachtes Stichspiel, das klassische Mechanik mit frischem Twist kombiniert. Für Stichspiel-Fans lohnt sich ein Blick, für mich persönlich war es interessant, aber kein Must-Have.

🧩 Tag 2 Abend: Unfair, Toriki, Texas Hold’em und mehr
Abends merkte ich: die Stimmung wird entspannter, Leute haben Hunger nach leichterem Chaos. Ich habe ein paar Runden Unfair mit neuen Erweiterungen gespielt, Toriki ausprobiert (appgestützter Familienspiel-Abenteuer), und ein ganz kurzweiliges Tischspiel namens Texas Hold’em (verrücktes Pinkelspiel) gespielt. Hier ein paar Eindrücke.
Unfair mit neuen Erweiterungen
Unfair ist für viele ein Liebling, weil es genau das richtige Maß an fiesem Design hat: du baust einen Freizeitpark, quartierst Fahrgeschäfte ein, nutzt Ereigniskarten, und darfst deine Gegner sabotieren. Die neuen Erweiterungen bringen zusätzliche Kartendecks, neue Themenelemente (Alien-Deck, Comic-Deck) und frische Mechaniken wie Alien-Token als neue Währung. Das erhöht die Varianz und den Chaosfaktor nochmal.
Mein Eindruck: Funktionsfähig wie immer. Das Spiel bleibt polarisierend – perfekt für Gruppen, die sich gegenseitig nicht überempfindlich ärgern. Die neuen Decks bringen frische Ideen und sind gut für langjährige Spieler geeignet.

Toriki – Appgesteuertes Abenteuer für Familien
Toriki ist ein Familienspiel mit App-Steuerung: ihr seid eine Gruppe Kinder, seid auf einer Insel gestrandet und löst Szenarien, sammelt Gegenstände, baut provisorische Behausungen. Es ist narrativ, kinderfreundlich und bringt klassische „Choose an action / click on map“ – Interaktion. Die App führt euch durch Events und reagiert auf eure Aktionen.
Mein Eindruck: Sehr unterhaltsam mit Kindern, für Erwachsene kann es recht einfach wirken. Das lustigste Erlebnis war ein Mitspieler mit einem Fernrohr, das völlig nutzlos erschien – aber genau das hat uns zum Lachen gebracht. Kostentechnisch um die 39 Euro; für Familien, die gemeinsame analoge Spielzeit plus kleine digitale Unterstützung mögen, ist es ein schöner Kandidat.

Texas Hold’em – das Pinkelspiel
Dieses kleine Partyspiel ist eher Gag-orientiert: Pissoirs, Gäste-Karten mit verdeckten Verhalten (pinkelt nach rechts, link, furzt etc.), Bluff-Mechanik und kleine Auktionen. Ziel ist es, die Gefahr zu vermeiden, angepinkelt oder -furzt zu werden. Absolut nicht ernst, aber extrem spaßig in der richtigen Gruppe – ideal als Absacker nach einem langen Tag.
Mein Eindruck: Ein Partyhit, kein ernster Kandidat für die Standardsammlung, aber immer wieder lustig mit der passenden Runde (und ja, es hilft, wenn ein paar Getränke im Spiel sind).

🥛 Tag 3: Kurz, lustig und ein bisschen chaotisch
Der letzte Tag war deutlich kürzer für mich – ich wollte vor der Heimfahrt noch ein paar leichte Spiele spielen. Hier sind zwei Titel, die wir an diesem Tag gezockt haben: 5 Reiche und Milch mit Abführmittel (ja, der Titel ist Programm).
Fünf Reiche – Familiäres Kartenspiel mit Timing
Fünf Reiche ist ein vierspieleriges Kartenspiel, in dem ihr Karten von 1 bis 6 in Farben auslegt, immer von 1 beginnend. Ihr könnt Karten spielen, Karten abwerfen und nachziehen, oder Aktionskarten nutzen, um Karten abzufragen oder Siegerbedingungen voranzubringen. Ziel ist es, Regionen (Reiche) auf Level 3 zu bringen, um Spezialaktionen zu erhalten und Punkte zu sammeln.
Mein Eindruck: Ordentliches Mehrpersonenkartenspiel, das klar auf Interaktion setzt. Es hat nette Kniffe, wirkt aber ein wenig überladen durch viele Sondercharaktere; eine Übersicht ist beim Spielen hilfreich. Für 30–45 Minuten pro Partie sehr gut geeignet.

Milch mit Abführmittel – schnell, fies, lustig
Der Titel sagt alles: jeder hat eine Milchart, Zahlenkarten 1–5 und Abführmittelkarten mit negativen Punkten. Ihr spielt Karten verdeckt, und wenn ein Stapel aus mindestens drei Karten entstanden ist, darf jemand „trinken“ und deckt auf. Punkte werden addiert/subtrahiert; es gibt Aktionskarten, die Karten klauen oder andere zwingen, Karten abzugeben. Wer zuerst viermal getrunken hat, beendet das Spiel und Punkte werden gezählt.
Mein Eindruck: Extrem kurzweilig, viel Bluff und Risiko. Wir hatten eine Runde, in der ein Spieler leer ausging und einen fiesen Negativ-Score kassierte – herrlich. Ein Partyspiel mit klarer Zielgruppe: Leute, die Bock auf Schadenfreude haben.

🤔 Mein Fazit: Highlights, Enttäuschungen und Empfehlungen
Nachdem ich mehrere Tage auf den B-Rex Tagen verbracht habe, viele Runden gespielt und mit zahlreichen Leuten geredet habe, hier mein zusammenfassendes Fazit:
Meine persönlichen Highlights
- Fossilium – Für mich das klare Highlight. Gutes Balancing, schönes Puzzle-Feeling, motivierende Zwischenwertungen und eine runde Spielmechanik. Eines der Spiele, das ich mir definitiv zulegen werde.
- Minakshi-Tempel – Spannende Action-Selection-Mechanik, die Spaß macht und taktische Tiefe liefert. Kein Must-Have, aber gern wiedergespielt.
Spiele mit „Ja, kann man spielen“-Empfehlung
- Grundstein von Metropolis – Solide Umsetzung von Foundations of Rome. Für Fans und Sammler interessant, für Gelegenheitsspieler optional.
- Skywise – Funktioniert gut zu viert, Bietmechaniken ordentlich umgesetzt. Kein Superstar, aber nett.
- Power Vacuum – Cleveres Stichspiel mit Macht-Mechanik; für Stichspiel-Fans definitiv einen Blick wert.
Familienspiele und Partyhits
- Charcuterie – Schönes Material, nettes Puzzlen; familientauglich.
- Toriki – Tolle App-gestützte Familienerfahrung; gute Umsetzung für Eltern, die eine analoge Alternative mit digitaler Begleitung suchen.
- Texas Hold’em (Pinkelspiel) und Milch mit Abführmittel – Partyspiele, sehr abhängig von der Gruppe, aber sie bringen Lacher.
Was mich eher nicht überzeugt hat
- Sierra – Gute Idee, aber die Wertung ist zu aufwändig im Verhältnis zur Spielzeit.
- Einige Titel, die ich gespielt habe, sind solide, aber kein „must buy“. Viele Spiele sind nette Ergänzungen für Spielabende, aber nicht unbedingt Dauerbrenner.
🛒 Für wen lohnt sich welcher Titel?
Wenn ihr euch unsicher seid, ob ihr ein Spiel kaufen sollt, hilft die Einordnung nach Spielertypen:
- Familienspieler mit Kindern: Toriki, Charcuterie – einfacher Zugang, Spaßfaktor hoch.
- Kennerspieler: Fossilium, Minakshi-Tempel – taktisch befriedigend, gute Tiefe.
- Partygamer: Texas Hold’em (Pinkelspiel), Milch mit Abführmittel – ideal als Absacker oder für laute Runden.
- Stichspiel-Fans: Power Vacuum – innovativer Twist auf klassische Mechanik.
- Sammler mit Nostalgie für Foundations of Rome: Grundstein von Metropolis – kompaktere Variante mit ähnlichem Gefühl.
📌 Kaufempfehlungen und Entscheidungs-Faktoren
Wenn ihr ein Spiel sucht, fragt euch:
- Wie viele Spieler habt ihr typischerweise? Einige Spiele sind zu zweit flau, zu viert aber lebendig.
- Wie viel Regelkomplexität wollt ihr? Sierra ist simpel zu spielen, aber komplex in der Auswertung – das kann nerven.
- Spielt ihr eher strategisch oder wollt ihr schnellen Partyspaß? Fossilium bedient strategische Ansprüche, Toriki und die Partytitel eher spontan-lachende Runden.
Meine Top-Empfehlung dieses Herbstes wäre ein klares „Fossilium“ kaufen, wenn ihr Kennerspiele mögt. Es hat mich emotional abgeholt, mechanisch überzeugt und passt gut in verschiedenste Runden. Für Familien mit jüngeren Kindern ist Toriki ein sympathischer Einstieg in narrative, kooperative Abenteuer mit App-Unterstützung.
🔁 Wiederspielbarkeit und Langzeitwert
Worauf ich bei Neuanschaffungen achte: Wiederspielbarkeit. Ein einmaliges, schönes Erlebnis ist toll – aber ich möchte, dass ein Spiel auch bei wiederholtem Spielen neue Entscheidungen liefert. In dieser Hinsicht:
- Fossilium: hohe Wiederspielbarkeit durch Marktvariabilität und unterschiedliche Museumsziele.
- Minakshi-Tempel: gut, weil Aktionsleiste und Karten-dynamik variieren.
- Skywise: mittlerer Wiederspielwert, abhängig von Spielergruppe.
- Sierra: Wiederspielbarkeit ist vorhanden, aber Wertungsaufwand mindert den Spaß langfristig.
🔍 Abschließende Gedanken: War der B-Rex Herbst 2025 ein Erfolg?
Mein kurzes Fazit zum Event: Ja, es war gelungen. Viele Verlage präsentierten attraktive Titel, die Stimmung war gut, und ich konnte viele Spiele testen, die ich bisher nicht kannte. Der Herbst als Veröffentlichungszeitraum hat einige starke Kandidaten, aber kein absolutes „Mega-Hype“-Spiel, das alle mythisch in die nächste Saison pumpen würde. Trotzdem: Fossilium ist ein persönlicher Gewinn dieses Wochenendes für mich.
Was mir gefehlt hat? Vielleicht ein Titel, der so einzigartig ist, dass man ihn sofort als „Spiel des Jahres“-Kandidat in spe bezeichnen würde. Aber das ist auch okay: Das Spieljahr 2025 bringt solide, feine Varianten, die insgesamt das Hobby bereichern.
📣 Eure Meinung zählt
Jetzt seid ihr dran: Welche der genannten Neuheiten interessieren euch? Seid ihr eher Kennerspieler, Familien mit Kindern oder Partygamers? Schreibt eure Gedanken, Fragen oder eigenen Erfahrungen gern in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch. Wenn ihr bestimmte Spiele ausführlicher beschrieben haben möchtet, sagt Bescheid, dann mache ich dazu separate Beiträge oder Videos.
Zum Abschluss: Danke an alle, die mich auf den B-Rex Tagen gesprochen haben, Danke an die Organisatoren und Publisher für die Möglichkeit, so viele Titel anzuspielen. Ich bin gespannt, was der Spiele-Herbst noch bringt – und wie sich die Titel in den kommenden Monaten bewähren.
Euer Olli von Brettspiel Teddy — bis zum nächsten Spieleabend!

